Rezension: Willkommen in Night Vale von Joseph Fink und Jeffrey Cranor

Wes Anderson meets Ethan and Joel Coen

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Cover von Joseph Fink & Jeffrey Cranors "Willkommen in Night Vale"

Willkommen in Night Vale ist der Einstieg in ein multimediales Universum! Doch weil ich natürlich nicht voraussetzen kann, dass jeder den Stoff bereits kennt, hier erst einmal ein paar grundlegende Details.

Das Buch basiert auf einem Podcast, der von den Autoren geschaffen wurde und zweimal im Monat erweitert wird. Inhalt ist eine Radioshow in der fiktiven Stadt Night Vale, die ebenso verschlafen wie skurril ist. In einer wüstenähnlichen Region irgendwo in den USA gelegen, handelt es sich hierbei ganz und gar nicht um eine normale Stadt. Ständig passieren Katastrophen apokalyptischen Außmaßes, sei es der alljährliche Besuch der Stadtreinigung, Kinder, die in der Bibliothek verloren gehen oder Valentinstag. Auch spaltet die Gemeinde die Frage, ob Berge wirklich existieren. Und so berichtet Radiomoderator Cecil Palmer jeden Tag darüber, welches Chaos durch Night Vale wütet, stets überwacht von der Geheimpolizei und einer unbekannten, aber nichtsdestoweniger bedrohlichen Organisation.

Zurück zum Buch: Die Handlung findet um zwei Figuren statt. Jackie, die seit sie denken kann 19 Jahre alt ist und das Pfandhaus der Stadt leitet. Eines Tages gibt ein Mann einen Zettel mit der Aufschrift KING CITY auf und das Unglück nimmt seinen Lauf, denn egal, was Jackie tut, der Zettel findet seinen Weg immer wieder in ihre Hand und nimmt ihr die Fähigkeit an etwas anderes zu denken als an das Gekritzel. Die andere Hauptperson ist Diane, die alleinerziehend ist. Ihr Arbeitskollege verschwindet und niemand außer ihr erinnert sich an ihn. Außerdem ist der Vater ihres Sohnes wieder in der Stadt und unter keinen Umständen sollen die beiden aufeinander treffen. Welches Unheil sucht die Stadt in diesen Tagen heim? Unterstützt von Wissenschaftlern, die gerne Dinge aufschreiben und Engeln, deren Existenz illegal ist, machen die beiden Frauen sich zuerst getrennt und dann gewungenermaßen gemeinsam auf, die Wurzel des Übels zu finden und sie zu Sinn und Verstand zu kitzeln.

Was bekommt man mit dem Buch Willkommen in Night Vale? Einen irren Trip, der an einen Drogenrausch erinnert. Die Erzählweise ist auf eine unvergleichliche Art und Weise kurios, was aber nicht dazu führt, dass das Buch schwer verständlich oder schlecht zu lesen ist. Immer und immer wieder werden Aussagen aufgestellt, nur um im nächsten Satz bereits wieder negiert zu werden. Was faszinierend daran ist, sind die klaren Momente innerhalb der sprachlichen Achterbahnfahrt.So schwadroniert Carlos , seines Zeichens Wissenschaftler und Cecils Liebhaber, über die Eigenheiten der Wüstenstadt und dass keine Wege von Night Vale nach King City führen, nur um am Ende festzustellen, dass er Night Vale nicht verlassen will:

„»(…)Oh, tut mir leid, ich muss gehen. Oder du musst gehen. Ich werde hierbleiben, das ist mein Labor. Nur, dass Cecils Sendung gleich anfängt und ich sie nie verpasse.
Nein, ich bin noch gar nicht lang genug geblieben«, sagte Carlos.“
(S.101)

Doch warum sollte man sich das Buch auf Deutsch kaufen, wenn doch der Podcast nur auf Englisch verfügbar ist? Ein mit Fliegen bedrucktes Vorsatzpapier!

Besucht auch die >>Webseite des Podcasts, der bereits 100 Folgen umfasst.

– Q

Bibliografische Angaben

Wilkommen in Night Vale von Joseph Fink & Jeffrey Cranor
Hobbit Presse, erstmals erschienen 2016
378 Seiten
ISBN 978-3-608-96137-9
19,95 €

BUY LOCAL!

Autor: nachtigallenfriedhof

Buchhandel/Verlagswirtschaft. HTWK. Leipzig. Verrückt/Extravagant/Außernatürlich. Sucht euch was aus.

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