Rezension: Ender’s Game von Orson Scott Card

Psychologisches Fadenziehen in Zeiten des Krieges (gegen Außerirdische).

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Cover von Orson Scott Cards "Ender's Game"

Die spannensten Bücher sind für mich die, an die ich mit niedrigen Erwartungen oder gar keinen Vorstellungen herangehe und die mich schließlich Schlag um Schlag umschauen. Genau das schaffte Ender’s Game.

Ender ist ein brillanter Junge, der von seiner Schwester geliebt und von seinem Bruder tyrannisiert wird. Trotzdem fällt es ihm schwer, eine Entscheidung zu treffen, als er für die Battle School rekrutiert wird. Doch es herrscht Krieg und die Akademie benötigt kluge Köpfe, um den Feind zu besiegen und so endet Enders Kindheit abrupt, als er sein Zuhause mit der Aussicht verlässt, frühestens in einigen Jahren wieder Kontakt zu seiner Familie aufnehmen zu dürfen.
Der wichtigste Teil der Ausbildung an der Battle School ist, wie der Name es vermuten lässt, der Kampf. Dafür werden die Kinder nach der Zeit in der Grundausbildung in verschiedene Armeen unterteilt. Mit Laserpistolen ausgestattet, treten die Teams bei null Gravitation gegeneinander an. Ender besitzt eine Gabe für die Analyse der einzelnen Teams und fordert die unterschiedlichen Armeen mit immer neuen Strategien heraus.

Was sehr brutal klingt, setzt Orson Scott Card auf eine psychologische Weise um. Die Handlung rund um Ender erinnert an ein Schachspiel, bei die Erwachsenen Ender vor Situationen stellen, die ihn überfordern und an denen er wachsen muss, ob er will oder nicht.
Dabei wird Ender aber nicht zu einem alles könnenden Charakter, der die Situationen einfach abhakt, nachdem er sie überstanden hat. Immer wieder holen ihn Erlebnisse ein und beeinflussen seine zukünftigen Entscheidungen.

Faszinierend sind auch die Außerirdischen, die Bugger genannt werden. Ich möchte nicht allzuviel über sie sagen, da es dabei leicht zu Spoilern kommen kann und ich es selbst als faszinierend empfunden habe, als Ender das erste Mal mehr über sie erfahren hat. Was aber gesagt werden muss: Card liefert mit diesen Kreaturen einen außergewöhnlichen Feind abseits von Marsmännchen und anderen glibberigen Figuren.

Was die Handlung umso komplexer macht, ist die Sichtweise von Enders Schwester Valentine, die mit sich zusammen mit Enders psycho- und soziopathischem Bruder Peter in die Belange der Weltregierung einmischt. Denn nach dem Ende des Krieges gegen die Buggers prophezeit Peter einen neuen Krieg auf der Erde und meint zu wissen, wie dieser zu verhindern ist. Also erstellen die beiden Internetpersonas, die ihr Alter verbergen und beginnen, sich Einfluss zu verschaffen.
Ebenso wie Ender muss Valentine mit den Nebenwirkungen ihrer Entscheidungen leben und fürchtet sich nicht nur einmal vor sich selbst. Ihre Entwicklung fesselt vor allem mit der Frage, welcher Bruder ihr am Ende der Wichtigere sein wird, denn daraus ist zu schließen, ob ihr die Macht, die sie gewonnen hat, zu Kopfe gestiegen ist.

Ender’s Game ist eine Empfehlung für Leser, die eine komplexe Geschichte erleben wollen, bei der man sich hinterher fragen muss: „Wer war eigentlich der Böse?“

– Q

Bibliografische Angaben

Ender’s Game von Orson Scott Card
Orbit, erstmals erschienen 1985
352 Seiten
ISBN 978-0-356-50084-3
11€

BUY LOCAL!

Autor: nachtigallenfriedhof

Buchhandel/Verlagswirtschaft. HTWK. Leipzig. Verrückt/Extravagant/Außernatürlich. Sucht euch was aus.

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