Rezension: Shadow of the Hegemon von Orson Scott Card

Über neue Schatten und das Aus-dem-Schatten-treten.

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Cover von Orson Scott Cards "Shadow of the Hegemon"

Der Krieg gegen die Bugger liegt bereits einige Monate zurück und die Gruppe um Ender ist auf die Erde zurückgekehrt. Viel Zeit, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen, bleibt ihnen aber nicht, denn als Petra eines Tages verschwindet, kündigt sich neues Unheil an. Bean entkommt mit seiner Familie nur knapp einem Anschlag und weiß sofort, welcher alte Feind ihm auf den Fersen ist. Zusammen mit Schwester Carlotta begibt er sich auf die Flucht. Bald zeigt sich, dass Petra und weitere entführte Kinder für weitaus dunklere Pläne ausgenutzt werden sollen als geahnt und so schließt sich Bean widerwillig mit Enders Bruder Peter zusammen, um seine ehemaligen Gefährten zu retten.

Nachdem ich dieses Buch fertig gelesen hatte, machte ich mir Gedanken, warum ich die Welt, die Card in der Shadow-Tetralogie schafft, so fesselnd finde. Zuerst einmal sind da all diese unterschiedlichen Ethnien, die in den Büchern eine Bühne erhalten. Die Kinder, die an der Battle School unterrichtet wurden, stammen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Ländern. Als die Erdbevölkerung in Ender’s Shadow mit den Außerirdischen einen gemeinsamen Feind hatte, rückten die altvertrauten Konflikte in den Hintergrund und alle Nationen arbeiteten zusammen. In Shadow of the Hegemon gibt es zu Beginn keinen gemeinsamen Feind und die Länder gehen wieder zum Tagesgeschäft über und versuchen ihren Einfluss in der Welt zu festigen oder zu stärken. Von dieser Entwicklung werden auch die ehemaligen Schüler der Battle School beeinflusst. Kinder, die zuvor gemeinsam in Armeen gekämpft haben, stehen sich jetzt wieder feindselig gegenüber. Was diesen Teil so interessant gestaltet hat, ist, dass Card keine Positionen zu Konflikten bezieht. Natürlich gibt es Nationen, die Vorherrschaft erlangen wollen, aber er greift nicht darauf zurück, ein schwarz-weißes Bild zu zeichnen, sondern erklärt, woraus dieses Streben erwächst.

Ein weiterer Faktor, der die Faszination ausmacht, ist die Beziehung zwischen den Erwachsenen und Kindern. Gerade noch haben Bean, Petra und die weiteren Auserkorenen den entscheidenden Krieg gegen die außerirdische Invasion gewonnen. Zurück auf der Erde kehren sie in ein Leben zurück, mit welchem sie nichts verbindet außer verstaubte Erinnerungen. Unter den Erwachsenen herrscht eine Unsicherheit, was mit den Veteranen geschehen soll. Körperlich sehen die Schützlinge aus wie Kinder, aber ihre Erlebnisse im Weltall haben sie psychisch rapide altern lassen. Die Eltern der Kinder hegen den Wunsch, die verlorene Zeit mit ihren Kindern auszugleichen, während die zurückgekehrten Söhne und Töchter versuchen, sich in einen Welt einzufügen, die komplett andere Forderungen an sie stellt, als sie es aus der Battle School gewohnt sind.
Gleichzeitig herrschen Unterschiede in den Gefühlswelten der Kinder. Während Bean zufrieden mit seiner Position als Enders rechte Hand war, kämpft Petra immer noch mit dem Schamgefühl, welches die Erinnerung über ihren Zusammenbruch während der letzten Phase des Krieges auslöst. Gerade diese Nuancen herauszuarbeiten, ist eine von Cards großen Stärken. Ich konnte nicht voraussagen,  welche Figur auf eine Situation wie reagieren wird.

Besonders sind auch die emotionalen Momente des Buches, die nicht übertrieben wirken. Vielmehr gibt Card seinen Figuren genau das, wonach sie sich sehnen. Weil er zuvor viel Zeit dafür aufwendet, seine Hauptcharaktere im Detail vorzustellen, fällt es leicht nachzuvollziehen, warum eben jene Situation für die jeweilige Person wichtig ist. Ein ergreifendes Beispiel hierfür ist der Moment, als Peter seinen Eltern offenbart, dass er hinter den zwei einflussreichsten Personas steckt, die das aktuelle Weltgeschehen beeinflussen und seine Mutter ihm daraufhin sagt, dass sie und der Vater auf Peter im gleichem Maße stolz sind wie auf Ender. Peter, der nach der gleichen Anerkennung lechzt, die sein kleiner Bruder erhalten hat, erhält diese von seinen Eltern, womit er nie gerechnet hätte.

Eine Leseempfehlung kann ich natürlich nur Lesern aussprechen, die mindestens Ender’s Shadow gelesen haben. Aber all jene erwartet eine Welt mit politischen Verstrickungen, welche die Kinder der Battle School dringender denn je braucht.

– Q

Bibliografische Angaben

Shadow of the Hegemon von Orson Scott Card
TOR, erstmals erschienen 2000
451 Seiten
ISBN 978-0-812-56595-9
$ 7.99

BUY LOCAL!

Autor: nachtigallenfriedhof

Buchhandel/Verlagswirtschaft. HTWK. Leipzig. Verrückt/Extravagant/Außernatürlich. Sucht euch was aus.

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