Kleiner Plausch gefällig? #3

Schreiben wir an der Zielgruppe vorbei? Und wenn ja, was ist die Konsequenz?

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Langsam könnte ich das Ding beim Namen nennen und sagen: Ich befinde mich in einer unfreiwilligen Sommerpause. Aber wirklich nur unfreiwillig und bis zur Abgabe meiner Bachelorarbeit, an der ich gerade fast Vollzeit sitze, sind es noch cirka zweieinhalb Monate. Bis dahin ist, was vergnügtes Lesen angeht, weiterhin Ebbe.

Die Ausgangssituation

Da ich Buchhandel/Verlagswirtschaft in Leipzig studiere, beschäftige ich mich nicht nur in meiner Freizeit mit dem Thema Buch. In dem Modul Online-Marketing diskutieren wir aktuell über Social Media Marketing, heute stand die Blogosphäre auf dem Plan. Eine Kommilitonin ist selbst erfolgreiche Buchbloggerin und hat ein wenig aus dem (Statistik-)Nähkästchen geplaudert. Sie selbst bloggt vor allem über deutschsprachige YA und New Adult Fantasy und nimmt an einigen Blogtouren von Verlagen wie beispielsweise Carlsen Impress teil.

Wenn man sich in der Blogosphäre umschaut, geht es vor allem um Rezensionen. Schließlich wollen die Leser der Blogs doch wissen, ob der Autor oder die Autorin das Thema gut umgesetzt hat und die Handlung mitreißt und was noch so vom Kauf überzeugt. Die Kommilitonin hat allerdings festgestellt, dass Rezensionen im Vergleich zu Blogtour-Artikeln sehr viel weniger gelesen werden. Dabei greifen diese Artikel meist nur einzelne Aspekte eines Buches auf und eine Bewertung wird in der Regel nicht gefordert.

Literarische Welten
Literarische Welten

Die Schlussfolgerung

Aufgrund fehlender Reichweite kann ich leider nicht bewerten, ob es Unterschiede zwischen der Zielgruppe meiner Kommilitonin und meiner (potentiellen) Zielgruppe gibt und so bleibt mir nur die Möglichkeit darüber zu philosophieren. Whatever, gonna try that anyway. Also wenn scheinbar eine ganze Reihe Leser gar keine Rezensionen lesen möchte, was kann die Blogosphäre tun, um das Buch an den Leser zu bringen?

Natürlich vor allem kreativ sein. Wer in Kunst nicht unbedingt ein Ass war (Ich erinnere mich gerne an ein Bild, das sowohl Stalin als auch Flamingos zeigte. Dafür habe ich 15 Punkte kassiert. Interpretation ist alles!), dem bleibt immer noch das Schreiben. In dem Buch führt die Autorin ein spannendes neues Magiesystem ein? Dann lass hören, was du damit anstellen würdest. Die Figuren verhalten sich toxisch, aber irgendwie kommt aus dem Kontext nicht hervor, dass es sich dabei um ein problematisches Verhalten handelt? Dann lass uns darüber reden. Der Autor zeichnet besonders durchdachte Charaktere? Dann sprich über die Feinheiten und was daran fesselt.

Und wenn alles versagt, gibt es immer noch die gute alte gestaltende Interpretation. Der Notenretter in Gestalt einer Klausur. Ich drifte ab. Wäre es nicht spannend, sich Büchern auf einer solchen Ebene zu nähern? Quasi Auge in Auge mit dem Verfasser?

Mein Fazit

Die Überschrift kommt jetzt etwas reaktionär daher, weil ich gerade eben noch mokiert habe, dass es sein kann, dass wir am Leser vorbeischreiben. In meinem Fall zwar nur an potentiellen Lesern, aber welche Konsequenz ziehe ich persönlich, wenn meine These der Wahrheit entspricht? Nun, ich werde vermutlich nach dem Bachelor, dann wenn ich mich zuhause mit meinem TBR einschließe und mir von REWE Lebensmittel liefern lasse, mehr Beiträge in dem Stil schreiben, den ich auch schon für mein Gushing über Emily Laing gewählt habe. Schwafeln ist mein Ding und da das hier ein Blog ist, sollte ich mich auf einige Details konzentrieren, um nicht Aufsätze zu liefern.

– Q

P.S.: Das mit REWE war übrigens ein Scherz. Ich bin Student. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

P.P.S.: Langsam wird der Blog hier zu einem Paradebeispiel von Style over Story, aber ich verspreche, dass in spätestens drei Monaten Inhalte kommen.

P.P.P.S.: Hier ein augenöffnender Beitrag von Pop Culture Detective, der sich mit der aus der Norm fallenden Maskulinität von Newt Scamander in Fantastic Beasts beschäftigt hat:

Autor: nachtigallenfriedhof

Buchhandel/Verlagswirtschaft. HTWK. Leipzig. Verrückt/Extravagant/Außernatürlich. Sucht euch was aus.

2 Kommentare zu „Kleiner Plausch gefällig? #3“

  1. Super interessante Gedanken.
    Ich selbst denke immer, eine Rezension ist doch ein allround-Sache und die Leute wollen doch schließlich bestimmt über einen Gesamteindruck informiert werden. Sie wollen eine ausgewogene Sichtweise lesen. Die Buchbesprechungen, die in den Feulletons so geschrieben sind, lese ich ja auch gerne.

    Ich glaube der Grund dafür, dass Rezensionen weniger gelesen werden liegt darin, dass sie nur für die Leute interessant sind, die vor der Kaufentscheidung stehen, die das Genre interessant finden oder die das Buch auch bereits gelesen haben, während ein Diskussionsbeitrag, ein Listenbeitrag oder ähnliches, wirklich für jeden relevant sein kann und damit von Vornherein mehr Leute anspricht.

    Deine Vorschläge für eine neue Herangehensweise klingen sehr gut und ich bin schon sehr gespannt auf Deine post-Bachelor-Artikel! 😉
    Ich würde solche Themen auf meinem Blog eher zusätzlich zur Rezension vorbereiten und auf einen Aspekt eines Buches noch einmal genauer einzugehen. Es scheint mir aber auch eine Herausforderung zu sein, da dann nicht zuviel zu verraten. Macht sicher Spaß, damit zu experimentieren.
    ________________________________________
    Das Video zu Newts Männlichkeit habe ich auch gesehen. Mich hat verwundert, dass die Begriffe „Vater“/“Väterlichkeit“ nicht darin vorkamen. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sie fallen. Das ist für mich nämlich ein Überbegriff für diese männlichen Eigenschaften; die Empathie, das Beschützen, das Aufziehen von seinen Geschöpfen. Ich finde im Vergleich zu einer Gruppen von Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmalen, die ich jetzt mal „Machoeigenschaften“ nennen möchte, wie die Väterlichkeit in unserer Gesellschaft zu selten besprochen, positiv bestätigt oder überhaupt dagestellt.

    Gefällt 1 Person

    1. Zu den Rezensionen:
      Da hast du vermutlich vollkommen recht. Man liest Rezensionen eher gezielt oder sucht speziell nach Rezensionen für Titel, die man lesen möchte oder bereits gelesen hat, um Gedanken zu bestätigen oder den eigenen Eindruck einzuordnen.

      Vermutlich werde ich wirklich eine kurze allgemeine Einschätzung zusätzlich zum „kreativen Teil“ bringen. Kann ja nicht schaden. 😀
      Mal sehen, ob und wie ich meinen Plan umsetze: 😉

      Zum Video:
      Ja, irgendwie geht Väterlichkeit total unter, wenn es um das Thema Männlichkeit geht. 😦 Ich hab letztens einen kurzen Videobeitrag gesehen, in dem gesagt wurde, dass Väter vor 20 oder 30 Jahren täglich nur fünf Minuten mit ihren Kindern verbracht haben. Furchtbarer Gedanke! Also ist es vermutlich kein Wunder, dass sich viele Herren erstmal daran gewöhnen müssen, dass sie so viel Zeit mit dem Nachwuchs verbringen können und dass damit auch andere Soft Skills zum Vorschein kommen.
      Was mir aufgefallen ist: Wenn Männer als Haupterzieher dargestellt werden, z. B. in Film, TV oder Büchern, werden sie oft als total überfordert dargestellt. Da muss echt mehr drin sein. 😦 Jeder Erzieher macht einen Anpassungsprozess durch, unabhängig vom Geschlecht und irgendwann hat der- oder diejenige dann den Bogen raus.

      Gefällt 1 Person

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