Kleiner Plausch gefällig? #8

Warum ich keine englischsprachigen Taschenbücher kaufen möchte

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Ich bilde mir ja ein, dass ich mit meinem Blog ein wenig zur Allgemeinbildung beitragen sollte. Aus diesem Grund setze ich mich heute mit einem spannenden Thema auseinander: Buchherstellung. Ausschlag dafür hat die Taschenbuch-Version von Why I’m no longer talking to white people about race von Reni Eddo-Lodge gegeben. Das Buch umfasst Herstellungsfehler, die ich gerne zeigen und erklären möchte. (Das Buch selbst ist ein Must-Read für alle, die sich mit Rassismus auseinander setzen wollen.)
Vergleichen werde ich dieses Taschenbuch mit Siebenschön von Judith Winter aus der dtv Verlagsgruppe, welches exemplarisch für deutsche Taschenbuchausgaben steht. (Den Titel habe ich mir von meiner Mutter stibitzt, weil er einen ähnlichen Seitenumfang wie Why I’m no longer talking… besitzt, also bitte keine Fragen zum Inhalt. )

Wenn die Perücke verrutscht

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Mein kleiner Exkurs in die Buchproduktion beginnt mit der Buchdecke, also den drei Seiten, die das Buch umhüllen und Auskunft über Titel, Autor und Inhalt geben.
Was ist bei dem englischsprachigen Taschenbuch schief gelaufen?
Dafür bitte einen Blick auf das Foto des Buchrückens werfen, also der schmalen Seite der Buchdecke, auf dem Titel, Autor und Verlag vermerkt sind. Was bei Why I’m no longer talking… ins Auge sticht: Der Schriftzug ist vertikal nicht zentriert, sitzt also etwas zu weit unten. Da alle drei Seiten im Layout in einer Datei angelegt werden, sitzt dadurch nicht nur der Schriftzug auf dem Buchrücken falsch. Ein Blick auf das Foto des Covers zeigt, dass der Schriftzug des Titels fast in die Falz, also in den Knick gerät, der entsteht, wenn das Buch geöffnet wird.

Dieser Fehler schmälern das Lesevergnügen nicht, aber wie man am deutschen Taschenbuch sieht, beeinflusst es die visuelle Wirkung. Um es drastisch auszudrücken: Es sieht unprofessionell aus. Da erwarte ich von einem Produkt aus dem Hause Bloomsbury einfach mehr.

Aufschlagen oder aufbrechen?

Für den zweiten Trick habe ich beide Bücher ungefähr in der Mitte aufgeschlagen. Wie man sieht, lässt sich das deutschsprachige Taschenbuch (links) mit einer Hand gut aufschlagen und versucht nicht gleich wieder zuzuschnappen wie Das Monsterbuch der Monster. Ganz anders das englischsprachige Taschenbuch (rechts), das sich vehement weigert, offen zu bleiben, wie man an der Haltung meiner Gagelfingern erkennt.

Grund für dieses unterschiedliche Aufschlagverhalten ist die Faserrichtung des Papiers. Wie jedes Naturmaterial besteht Papier aus Fasern, die in einer Richtung verlaufen. Wenn sich Papier ganz nah vor das Auge hält oder mit einer Lupe studiert, wird diese Richtung sichtbar. Verläuft die Faserrichtung parallel zum Buchrücken, lässt sich das Buch leicht aufschlagen und durchblättern. Wird die Richtung nicht beachtet, bricht man sich beim Öffnung des Buches gefühlt die Hand.

Vergleichbar ist dies mit dem Bruchtest, den man in Kampfkunstvorführungen sieht. Im nachfolgenden Beitrag von Galileo sieht man, dass Typ beim Bruchtest mit seiner Hand parallel zu der Faserrichtung des Holzes schlägt, die man anhand der dunkleren Striche im Holz identifizieren kann. Falls man entgegen der Faserrichtung schlägt, ist es ratsam vorab medizinische Versorgung zu ordern.

Die Faserrichtung wird gefühlt bei jedem englischsprachigen Taschenbuch missachtet, was einhändiges Lesen beim Essen oder Haare föhnen nahezu unmöglich macht. Haare trocknen ist langweilig, don’t judge me.

Achtung, Wasserschaden!

Nicht nur das Aufschlagverhalten verschlechtert sich, wenn die Faserrichtung des Papiers nicht beachtet wird. Bei der Gegenüberstellung der Buchdeckel anhand der Fotos oben erkennt man, dass sich das Cover des englischsprachigen Taschenbuchs konkav* verbogen hat. Diese Verkrümmung entsteht durch Feuchtigkeit und die Eigenschaft von Fasern sich auszudehnen oder zusammenzuziehen.

Bei der englischsprachigen Ausgabe liegen die Fasern nicht parallel zum Buchrücken. Unter dem Einfluss von Feuchtigkeit versuchen sie sich zu bewegen, das heißt, die Seitenhöhe versucht kürzer oder länger zu werden. Diese Bewegung wird von der Bindung verhindert und da den Seiten am Buchrücken kein Spielraum bleibt, verkrümmt sich beispielsweise das Cover. Im schlimmsten Fall beschließt der ganze Buchblock, also die Seiten, die von der Buchdecke umschlossen werden, Bewegung ins Spiel zu bringen, wodurch sich die Seiten vertikal zum Buchrücken wellen und Aufschlagen nur mit roher Gewalt möglich ist.

Liegen die Fasern parallel zum Buchrücken, dehnen sich die Blätter unter Einfluss von Feuchtigkeit aus, werden von der Bindung in ihrer Bewegung aber nicht gestört. Die Seiten verlängern oder verkürzen also ihre Breite, was der Bindung egal ist. Würde man Siebenschön Feuchtigkeit aussetzen, können Wellen parallel zum Buchrücken entstehen, was vielleicht nicht ansehnlich ist, das Aufschlagen aber nicht verhindert.

* Hab diese Eselsbrücke mal aktualisiert: Ist der Bauch konkav, hatte a) das Pärchen guten Sexualunterricht und/oder b) das Verhütungsmittel hat funktioniert, aber bildet euch ruhig ein: Das Mädchen war brav. Ist der Bauch konvex, hatte a) das Pärchen schlechten Sexualunterricht und/oder b) das Verhütungsmittel hat versagt, aber generell stimmt: Das Mädchen hatte Sex.

Fazit

Buchdruck ist ein Handwerk und deshalb ist die Buchproduktion mit ihren vielen Teilschritten nicht zu unterschätzen. Aus diesem Grund findet ich es besonders schade, dass im englischsprachigen Raum wichtige Dinge wie die Faserrichtung nicht beachtet werden. In den USA und in Großbritannien existiert keine Buchpreisbindung, das heißt jeder Buchhändler setzt den Preis, zu dem ein Buch verkauft wird, frei vom Einfluss des Verlags fest. Dadurch versuchen sich die Buchhändler mit ihren Preisen gegenseitig zu unterbieten, die Produktpreise sinken insgesamt, weswegen die Produkte preiswerter hergestellt müssen, damit noch Gewinn abfällt. (Das ist die Ultra-Kurzfassung der ganzen Entwicklung.) Der Nachteil ist: Billige Produktion wertet die Produkte ab und die Zahlungsbereitschaft beim Leser* sinkt („Vor ein paar Jahren war das Papier aber noch hochwertiger… Dafür gebe ich nicht soundso viele Dollar/Pfund aus!“), woraufhin die Händler nachziehen und die Preise anpassen müssen. Der Prozess läuft spiralförmig ab.

Was ist also die Alternative? Einen Kindle besitze ich seit einem Jahr und dank meinem Faible für Fanfiction war ich bereits zuvor an das Lesen langer elektronischer Texte gewöhnt. In Zukunft werde ich mein Geld, was englischsprachige Titel betrifft, also lieber in eine elektronische Ausgabe investieren oder für Herzenstitel tiefer in die Tasche greifen.

Fragen? Dann meldet euch gerne, denn ich möchte weitere Beiträge zum Thema Buchproduktion bringen.

– Q

Kleiner Plausch gefällig? #7

Über meine Schwäche für „18+ content, no cheating, standalone“-Bücher

Habe ich diesen Beitrag als Ausrede dafür benutzt, um auf Pixabay nach den kitschigsten Bildern zu suchen, die ich auf meinem Blog ertragen kann? Sicher doch, aber vor allem möchte ich darüber philosophieren, warum ich kein Buch als Guilty Pleasure sehe und warum jede Art von Literatur eine Daseinsberechtigung besitzt.

Erwartungshaltung

Ich würde diesen Abschnitt gerne mit einem „Ich bin ein Buch-Snob…“ beginnen, danach würde dann allerdings ein „aber“ folgen, also sehe ich der Wahrheit ins Gesicht: Ich bin ein Buch-Snob und wenn ich einen Brocken in die Hand nehme, erwarte ich zumindest eine Mini-Erleuchtung. Nach Rainer Schmitz kann ein* eifriger* Leser* in einem Leben zwischen 4.000 und 5.000 Bücher lesen. Ich bin bereits 26 Jahre alt, also habe ich meine mit viel Freizeit versehene Kindheit lange hinter mir gelassen. Mittlerweile habe ich keine Geduld mehr, mich durch Bücher zu quälen, die mich nicht catchen, weswegen ich mehrere bekannte Fantasy- und SF-Reihen gekauft, aber dann doch nicht gelesen habe. Ich habe keine Gewissensbisse dabei Bücher, die mir nichts geben, zur Seite zu legen. Im Buchregal oder in der Buchhandlung wartet bereits das nächste auf mich, das mir womöglich viel besser gefällt. Also was fasziniert mich an „18+ content, no cheating“?

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Not so guilty pleasure

Damit wir alle auf dem gleichen Wissensstand sind: Unter diesem Ausdruck verstehe ich diese mit einem furchtbaren, furchtbaren Cover ausgestatteten, oft nur als E-Book erhältlichen, wahlweise zusätzlich mit Happily Ever After (HEA) oder Happy For Now (HFN) ausgezeichneten… Schmonzetten. Genau die Bücher auf welche die jeweilige Marketingabteilung jede Menge „Frauen mögen das bestimmt!“-Symbolik packt und sich die* Leserin* etwas windet, wenn sie* auf den „Kaufen“-Button drückt. Aber nichts, wirklich gar nichts kann die Freude in mir dämpfen, wenn ich sehe, dass Titel wie An Unusual Courtship von Katherine Marlowe (Beiname: „M/M Regency Romance“) auf meinem Kindle landen. In diesem Moment weiß ich ganz genau, dass ich mich den Abend über die Irrungen und Wirrungen des Liebeslebens zweier Männer amüsieren kann und nicht mehr nötig ist, als dass ich Englisch verstehe.

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Ein, zwei, oder drei Augen zudrücken

Mir ist durchaus bewusst, dass diese Art von Büchern keinen Literaturnobelpreis verdienen, vermutlich ist es schon Frevel, diesen Preis im gleichen Beitrag zu nennen.* Ich bin mir der Schwächen dieses Genres bewusst. Wenn ich zu einem dieser Titel greife, stelle ich davor nicht mein Hirn aus und übersehe alle Klischees und ausgelatschten Erzähltechniken. Wenn ich eins dieser Bücher als unangreifbares literarisches Großwerk darstelle, bitte ich um einen umgehenden Rüffel. Was mir „18+ content, no cheating“ bietet, ist Schmunzeln, Seufzen und Lachen und aus diesem Grund weigere ich mich, mich für diese Art von Büchern zu schämen. Ein weiterer Grund: Gerade habe ich Why I’m No Longer Talking To White People About Race von Reni Eddo-Lodge sowie Das Herz kommt zuletzt von Margaret Atwood gelesen und beide Bücher lassen mich noch nicht los. Ich werde noch etwas Zeit brauchen, um die Themen und Ereignisse dieser Titel hinter mir zu lassen. Genau hier helfen mir Schmonzetten, denn während in meinem Kopf noch andere Dinge rumoren, muss ich mich nur emotional involvieren lassen und nicht komplett auf das Lesen an sich verzichten.

Also fühlt euch ruhig schuldig, wenn ihr zu Büchern greift, die als Chicklit verschrieen sind. Ich mache bei diesem Spiel nicht mit und freue mich auf die höchst frivole Stunden. Ganz ohne falsche Scham.

– Q

* Der Literatursnob in mir möchte gerne mitteilen, dass ich in naher Zukunft Alles, was wir geben mussten von Kazuo Ishiguro lesen und rezensieren werde.

P.S.: Für alle, die es bis hierhin geschafft haben, hier der TED-Talk von Mark Ronson über die Frage, wie Sampling die Veränderung von Musik beeinflusst hat, zum Nerd wird:

Kleiner Plausch gefällig? #6 [Montagsfrage]

Über die Liebe zu gezeichneten Geschichten.

Wer sich in der Blogosphäre bewegt, kennt die Reihe Montagsfrage bereits, die von Buchfresserchen seit 2014 geleitet wird. Diese Ausgabe befasst sich mit der Frage, welche Blogger neben Romanen Comics, Graphic Novels und Manga lesen. Der Beitrag von Stefan Mesch hat ich mich dazu verleitet, wenigstens einmal daran teilzunehmen.

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Manga

Es ist nicht so, dass ich während der fünften und sechsten Klasse keine Bücher gelesen hätte, aber zu der Zeit waren Manga mein go-to-medium. Den Einsteig in die Welt der gezeichneten Geschichten hat mir das W.I.T.C.H.-Magazin geebnet, eine Comicreihe aus Italien über fünf Teenager-Hexen, die Monster aus einer Parallelwelt bekämpfen. Daraufhin habe ich begonnen die DAISUKI zu lesen, ein Manga-Magazin, welches sich einer vornehmlich weiblichen Zielgruppe widmete. Ab diesem Zeitpunkt gab es für mich nur noch den Weg hinab tiefer in den Kaninchenbau. Ich war stets auf der Suche nach neuen wunderschönen, detailreichen Zeichenstilen und Serien, deren Inhalte mich auch über zehn Bände fesselten. Und noch viel besser: Ich lernte jede Menge über die japanische Kultur, ihre alltäglichen Gepflogenheiten und liebenswerten sowie bedenklichen Eigenarten.

Photo by Alex Knight on Unsplash
Photo by Alex Knight on Unsplash

Mit steigendem Alter änderten sich meine Vorlieben und ich glitt immer mehr in die Fujoshi-Schiene ab, wurde also zu einem der Mädchen, das Jungs gerne beim Knutschen oder *hust* mehr zuschaute. Das beeinflusste auch mein Buch-Leseverhalten, denn nach wie vor schätze ich homoerotische Beziehungen als willkommene Abwechslung zu heteronormativem Chicklit.

Comics und Graphic Novels

Da ich im Bereich der westlichen gezeichneten Geschichten nicht bis gar nicht firm bin, versuche ich gar nicht erst, die Begriffe Comic und Graphic Novel zu definieren. Ich tendiere dazu, alles, worin Superhelden vorkommen, als Comic zu bezeichnen und die restlichen Publikationen unter dem Begriff der Graphic Novels zusammenzufassen. Ich bin mir aber bewusst, dass ich damit nur in der Hälfte der Fälle richtig liege.

Photo by Jon Tyson on Unsplash
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Was mich lange Zeit davon abgehalten hat, zu westlichen Publikationen zu greifen, ist der völlig vom asiatischen Mainstream abweichende Zeichenstil. Dann habe ich mich einmal genauer umgeschaut und entdeckt, dass es durchaus Serien gibt, die in meinen Augen „hübsch“ aussehen. Ich lege sehr viel Wert auf weiche Linien und hohen Detailreichtum sowohl im Vorder- als auch Hintergrund. Deswegen habe ich mich auf der Stelle in Sunstone von Stjepan Sejic verliebt. In fünf Bänden wird aus zwei Frauen, die zu Beginn nur nach der Möglichkeit gesucht haben, ihre Vorliebe für BDSM auszuleben, mehr, was für jede Menge Gefühlschaos sorgt. Natürlich lässt sich die Geschichte auch nur mit Worten erzählen, aber Sejics dynamischer Umgang mit der Farbe Rot und die ultrastylischen Outfits bieten so viel mehr als ein Buch leisten könnte.

Was hat sich verändert?

Mit steigendem Alter verändert sich der Anspruch an den eigenen Lesekanon und so war ich doch ziemlich geschockt, als ich meine Lieblingswerke zu Teenagerzeiten in den letzten Tage erneut durchgelesen habe. Gerade in vielen populären homoerotischen Manga, die ich in diesem Alter verschlungen habe, ist der Begriff der Einwilligung zu sexuellen Handlungen problematisch bis „Okay, ich schließe das Browserfenster jetzt mal ganz schnell.“. Außerdem scheinen sich viele Zeichner*innen mit der Frage, welche Körperteile wie auf welche Handlungen vorbereitet werden sollten, nicht auseinander gesetzt zu haben.

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Doch mit steigendem Alter lernt man dazu und dank Twitter und Blogosphäre ist es nicht mehr so schwer, die Perlen unter den gezeichneten Werken zu finden. So freue ich mich bereits jetzt auf kommende Erscheinungen wie:

  • weitere Bände der Graphic Novel Monstress (Autorin: Marjorie Liu/ Zeichnerin: Sana Takeda),
  • Moonstruck (Autorin: Grace Ellis/ Zeichnerin: Shae Beagle)
  • die Neuauflage von MARVELs Runaways (Autorin: Rainbow Rowell/ Zeichner: Kris Anka)

Es gibt jede Menge Künstler*innen und Autor*innen, die Minderheiten eine Stimme verleihen und das ist ein weiterer Grund, sich nach gezeichneten Geschichten umzuschauen, die sowohl inhaltlich als auch künstlerisch überzeugen.

– Q

Kleiner Plausch gefällig? #5

Über Themen, die mein Lesen bestimmen

Eigentlich hatte ich für diese Woche gar keinen Beitrag geplant, aber als ich lohntdaslesen.de, den Blog der lieben Andrea, besucht habe, hat es mich dann doch gepackt. Sie hat sich in einem Beitrag mit den Themen beschäftigt, die sie bei Büchern catchen und Leitfragen, die sie durch Lektüre beantwortet haben möchte.

Des Pudels Kern

Anders als Andrea kann ich leider nicht mit hochtrabenden Motiven dienen, die mich beim Lesen beschäftigen. Wenn ich mir die Bücher anschaue, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe, ist ein wichtiges Thema für mich persönliches Wachstum von Figuren. Zum Beispiel ein Mädchen, das sich auf eine Reise begibt und dabei lernt, selbstständig zu handeln und ihren eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Oder ein Junge, der nach dem Stein der Weisen sucht, dann einen ganz anderen Schatz findet und feststellt, dass ewiges Leben nicht das Erstrebenswerteste ist. Gerade habe ich mit der Serie Outlander von Diana Gabaldon angefangen, die genau zu diesem Thema passt.

Ein weiterer Aspekt, der mich immer begeistert, ist gut ausgearbeitete Beziehungsentwicklung. Dieser Aspekt mag sehr primitiv erscheinen, aber einige Autoren werfen Figuren ungefähr so elegant zusammen wie Kinder, die Barbie und Ken zum Küssen zwingen. Slow Burn, wie das gemächliche Anbahnen einer Beziehung in Fanfiktionkreisen bezeichnet wird, ist ein Tanz mit sehr individuellen Regeln. Zwei Figuren können schnell „klicken“, andere sind wie Öl und Wasser und lassen sich einfach nicht zusammenbringen. Gerade diese Unterschiede herauszuarbeiten ist für mich ein großer Genuss. Und das gilt natürlich für alle Arten von Beziehung, nicht nur solche, die in das Biest mit zwei Rücken münden. Weil ich mir gerade ein neues Buch von Trudi Canavan zugelegt habe, fallen mir zu dieser Thematik die zwei Trilogien rund um die Magierin Sonea ein, die sehr viele unterschiedliche Beziehungen und deren Entwicklung schildern.

Die Gretchenfrage

„Nun sag, wie steht es bei dir mit Feminismus?“ Auf diesem Blog habe ich mich noch viel zu wenig mit feministischer Literatur beschäftigt, was sich definitiv ändern muss! Feminismus ist ein wichtiges Thema, mit dem ich mich eigentlich täglich beschäftige und das mein Leben seit geraumer Zeit stark beeinflusst. Mittlerweile habe ich mir diverse Film-, Fernseh- und Buchklassiker verdorben und habe andere zu schätzen gelernt. Insgesamt bin aber um einiges aufmerksamer geworden, wenn es um die Welt und die Gesellschaft geht, in der wir leben. Bücher, die sich hierfür anbieten, gibt es einige, zum Beispiel Hidden Figures von Margot Lee Shetterly und bald werde ich Jack Urwins Boys don’t cry: Identität, Gefühl und Männlichkeit lesen.

Ein Vortrag, der mich in Sachen Feminismus so richtig Feuer und Flamme werden lassen hat, ist der später unter dem Titel We should all be feminists als Buch erschienen TED-Vortrag von Chimamanda Ngozi Adichie. Damit ihr nicht suchen müsst, hier das Video:

– Q

Kleiner Plausch gefällig? #3

Schreiben wir an der Zielgruppe vorbei? Und wenn ja, was ist die Konsequenz?

Langsam könnte ich das Ding beim Namen nennen und sagen: Ich befinde mich in einer unfreiwilligen Sommerpause. Aber wirklich nur unfreiwillig und bis zur Abgabe meiner Bachelorarbeit, an der ich gerade fast Vollzeit sitze, sind es noch cirka zweieinhalb Monate. Bis dahin ist, was vergnügtes Lesen angeht, weiterhin Ebbe.

Die Ausgangssituation

Da ich Buchhandel/Verlagswirtschaft in Leipzig studiere, beschäftige ich mich nicht nur in meiner Freizeit mit dem Thema Buch. In dem Modul Online-Marketing diskutieren wir aktuell über Social Media Marketing, heute stand die Blogosphäre auf dem Plan. Eine Kommilitonin ist selbst erfolgreiche Buchbloggerin und hat ein wenig aus dem (Statistik-)Nähkästchen geplaudert. Sie selbst bloggt vor allem über deutschsprachige YA und New Adult Fantasy und nimmt an einigen Blogtouren von Verlagen wie beispielsweise Carlsen Impress teil.

Wenn man sich in der Blogosphäre umschaut, geht es vor allem um Rezensionen. Schließlich wollen die Leser der Blogs doch wissen, ob der Autor oder die Autorin das Thema gut umgesetzt hat und die Handlung mitreißt und was noch so vom Kauf überzeugt. Die Kommilitonin hat allerdings festgestellt, dass Rezensionen im Vergleich zu Blogtour-Artikeln sehr viel weniger gelesen werden. Dabei greifen diese Artikel meist nur einzelne Aspekte eines Buches auf und eine Bewertung wird in der Regel nicht gefordert.

Literarische Welten
Literarische Welten

Die Schlussfolgerung

Aufgrund fehlender Reichweite kann ich leider nicht bewerten, ob es Unterschiede zwischen der Zielgruppe meiner Kommilitonin und meiner (potentiellen) Zielgruppe gibt und so bleibt mir nur die Möglichkeit darüber zu philosophieren. Whatever, gonna try that anyway. Also wenn scheinbar eine ganze Reihe Leser gar keine Rezensionen lesen möchte, was kann die Blogosphäre tun, um das Buch an den Leser zu bringen?

Natürlich vor allem kreativ sein. Wer in Kunst nicht unbedingt ein Ass war (Ich erinnere mich gerne an ein Bild, das sowohl Stalin als auch Flamingos zeigte. Dafür habe ich 15 Punkte kassiert. Interpretation ist alles!), dem bleibt immer noch das Schreiben. In dem Buch führt die Autorin ein spannendes neues Magiesystem ein? Dann lass hören, was du damit anstellen würdest. Die Figuren verhalten sich toxisch, aber irgendwie kommt aus dem Kontext nicht hervor, dass es sich dabei um ein problematisches Verhalten handelt? Dann lass uns darüber reden. Der Autor zeichnet besonders durchdachte Charaktere? Dann sprich über die Feinheiten und was daran fesselt.

Und wenn alles versagt, gibt es immer noch die gute alte gestaltende Interpretation. Der Notenretter in Gestalt einer Klausur. Ich drifte ab. Wäre es nicht spannend, sich Büchern auf einer solchen Ebene zu nähern? Quasi Auge in Auge mit dem Verfasser?

Mein Fazit

Die Überschrift kommt jetzt etwas reaktionär daher, weil ich gerade eben noch mokiert habe, dass es sein kann, dass wir am Leser vorbeischreiben. In meinem Fall zwar nur an potentiellen Lesern, aber welche Konsequenz ziehe ich persönlich, wenn meine These der Wahrheit entspricht? Nun, ich werde vermutlich nach dem Bachelor, dann wenn ich mich zuhause mit meinem TBR einschließe und mir von REWE Lebensmittel liefern lasse, mehr Beiträge in dem Stil schreiben, den ich auch schon für mein Gushing über Emily Laing gewählt habe. Schwafeln ist mein Ding und da das hier ein Blog ist, sollte ich mich auf einige Details konzentrieren, um nicht Aufsätze zu liefern.

– Q

P.S.: Das mit REWE war übrigens ein Scherz. Ich bin Student. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

P.P.S.: Langsam wird der Blog hier zu einem Paradebeispiel von Style over Story, aber ich verspreche, dass in spätestens drei Monaten Inhalte kommen.

P.P.P.S.: Hier ein augenöffnender Beitrag von Pop Culture Detective, der sich mit der aus der Norm fallenden Maskulinität von Newt Scamander in Fantastic Beasts beschäftigt hat:

Leipziger Buchmesse 2017: Da war ja was!

Das Gesamturteil meiner Buchmesse lautet: Am Blog arbeiten und nächstes Jahr akkreditieren lassen!

Donnerstag

Warum ist der erste Messetag eigentlich mein Lieblingstag?
Morgens aufwachen, verfrüht in den Bus, am Bahnhof umsteigen und sich wie ein kleines Kind freuen, wenn man eine leere Bahn erwischt. #Zusatzbahnenftw
In der Bahn habe ich dieses Jahr die fabelhafte Artikelsammlung Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack von William Gibson gelesen.

Wer einen der wichtigsten SF-Autoren aller Zeiten über seine Faszination für Bücher, Musik und Reisen in asiatische Städte berichten hören möchte, dem sei dieses Buch besonders empfohlen.

Aber zurück zur Messe: An der Endstation ausgestiegen, ging es dann für mich zum CCL-Eingang. Sehr erfreut war ich in diesem Jahr über die Taschenkontrollen. Der einzige Kritikpunkt, den ich dazu anbringen möchte: Für mehr als einen Blick hineinwerfen hätten sich die Kontrolleure dann doch gerne Zeit nehmen können. Drinnen erwartete mich dann – ganz im Karopartnerlook – die Freundin, die mich Donnerstag und Freitag gerne begleitet.
Als erste Amtshandlung haben wir uns auf die Suche des Kiepenheuer&Witsch-Stands gemacht, der eindeutig die schönsten Stofftaschen verteilt. Danach ging es dann an die systematische Erkundung aller Hallen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem die Ausstellung Schönste Bücher aus aller Welt, die – ganz überraschend – Buchkunst aus verschiedenen Ländern präsentierte.
Zu meiner großen Freude befand sich darunter auch eine schwedische Ausgabe von Roxane Gays Bad Feminist. Da wünsche ich mir glatt, Schwedisch sprechen zu können.

Der erste Tag bot mir einen guten Einblick über alle aktuellen Neuerscheinungen der Verlage, die mich interessieren. Hier ein paar Titel, die ganz sicher auf meiner Leseliste landen werden:

In der oberen Reihe befinden sich folgende Titel:

  • Wir waren doch mal Feministinnen – Von Riot Grrrl zum Covergirl – Der Ausverkauf einer politischen Bewegung von Andi Zeisler (Rotpunktverlag.)
  • Das antikapitalistische Buch der Mode von Tansy E. Hoskins (Rotpunktverlag.)
  • Weltgeschichte für junge Leserinnen von Kerstin Lückner und Ute Daenschel (Kein&Aber)
  • Why I March – Images From The Women’s March Around The World (Abrams Books)

In der unteren Reihe sind zu sehen:

  • Das Herz kommt zuletzt von Margaret Atwood (Berlin Verlag)
  • Big Shots! Places – Die Geheimnisse der Location-Fotografie von Henry Carroll (Midas Collection)

Manga-Comic-Con

Irgendwie konnten wir uns letzten Endes nicht davon abhalten, gleich am ersten Tag Halle Eins zu besuchen. Endlich konnte ich hier den neuen Roman von A. C. Lelis kaufen.  Kaffeekavalier schließt an die Grundstimmung ihres letzten Buches an und bescherte mir einen wundervollen Leseabend, den nur von gelegentlichen Seufzern oder einem frustrierten „NEIN!“ unterbrochen wurde. Zurück nach Halle Eins: Hightlight des Tages war dann aber das Maskottchen des japanischen Fernsehsenders NHK World, das bereits zum zweiten Mal in Folge zu Gast auf der Leipziger Buchmesse war und natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, mit Domo zu posieren. Wobei posieren wohl ein etwas übertriebener Ausdruck für Hinstellen und Schild schief halten ist.

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Freitag

Der zweite Messetag begann für mich sehr produktiv mit einer Buchmesseführung zum Thema Frauen gehen in Führung. Diese und weitere Rundgänge auf der Leipziger und Frankfurter Buchmesse werden vom Projekt Verlage der Zukunft veranstaltet, in diesem Fall in Zusammenarbeit mit dem Verein Bücherfrauen. Angeleitet von einer der Vorstandsmitgliederinnen besuchte unsere Gruppe den Stand von Tolino Media, der Selfpublishing-Plattform der Tolino Allianz, die Leiterin des Phantastikbereichs beim Ullstein Verlag sowie die Gründerin der Schreibschule Zeilensprung.
Danach ging es für mich wieder kreuz und quer über die Messe. Ein paar meiner weiteren Funde:

Das erste Buch steht für einen familieninternen Running Gag, denn ich habe panische Angst vor Haien. Kennt noch jemand die Was ist was?-Bücher aus dem Tessloff Verlag? Ich kannte die genaue Seitenzahl, auf der eben jene Meereslebenwesen vorgestellt wurden und habe sie jedes Mal konsequent überblättert. Hai Ahoi von Owen Davey (Knesebeck) hätte mich als Kind sicherlich hinter die Couch geschickt. Ari Turunens Titel Kann mir bitte jemand das Wasser reichen? (Piper) ist so plakativ, dass man darüber wenigstens ein wenig kichern muss. Ebenso mein absoluter Favourit aus dem Bereich Unterhaltung/Poetry Slam. Lars Ruppel ist mit dem Gedicht Holger, die Waldfee bereits zu den Poetry Slam Meisterschaften 2013 angetreten. Ein Jahr später habe ich auch von der Veranstaltung erfahren und endlich diesen unvergleichlich wortgewandten Poeten kennengelernt. Ähnlich verdreht-ulkig kann vermutlich nur Olaf Schubert denken.

Am Abend stand der Besuch der Nordischen Literaturnacht im Werk 2 an. Zu Gast waren hier insgesamt zwölf Autoren aus fünf – wieder so überraschend – nordischen Ländern, vom noch weniger bekannten Literaten bis zu Superstars. Was gut gemeint war, stellte sich als echtes Ausdauertraining heraus, denn die Autoren waren dazu angehalten worden, in ihrer Muttersprache zu sprechen. Auch wenn ich die Intension verstehen kann, dem Publikum die Vielfalt der nordischen Sprachen nahe bringen zu wollen, sorgte diese Vorgabe dafür, dass im Publikum einige Nickerchen gehalten wurden. Tatsächtlich lohnen würde sich dieses Konzept nur bei einer polyglotten Zielgruppe. Zusätzlich gingen viele Emotionen verloren, vom Verlust von Details will ich gar nicht beginnen. Meine Begleitung und ich haben schließlich nur bis cirka zur Mitte der Veranstaltung durchgehalten, denn wir wollten unbedingt Jostein Gaader zu Gesicht und auf die Ohren bekommen. Danach war dann einfach die Luft raus.

Was hat mir am Freitag am meisten gefehlt? Die Podiumsdiskussion Buchbeschleuniger. In den vergangen Jahren wurden hier aktuelle Branchenthemen wie zum Beispiel der Konflikt zwischen Feuilleton und Buchblog diskutiert. Doch in diesem Jahr war die Veranstaltung aus dem Programm verschwunden. Schade, vielleicht wieder nächstes Jahr? (Falls ich den Programmpunkt übersehen habe, möchte ich gerne in dem Glauben gelassen werden, dass er nie existiert hat.)

Und der ganze Rest

Samstag fiel für mich aufgrund von #Womensproblems mager aus. Erst nach 15 Uhr wagte ich mich auf die Messe und verbrachte zwei anregende Stunden im Taz Studio, der Leseplattform der gleichnamigen Tageszeitung. Redakteurin Doris Akrap interviewte zuerst den slowenischen Autor Dino Bauk, der sein Debüt Ende. Abermals (Hollitzer Verlag) vorstellte. Darin beschreibt er die Geschichte von Denis, einem Ausgelöschten. Diese Bevölkerungsgruppe verfügt über keine Staatenzugehörigkeit und wurde durch die Trennung des slowenischen Staates von Jugoslawien geschaffen.
Anschließend war ZEIT-Redakteur Mohamed Amjahid zu Gast auf der Bühne, der mit Doris Akrap über sein Buch Unter Weißen: Was es heißt, privilegiert zu sein (Hanser Berlin) sprach. Drin beschäftigt er sich mit einer Analyse der weißen Bevölkerungsschicht und zeigt auf, dass alle Bio-Deutschen Alltagsrassismus ausüben, ob dieser nun gewollt ist oder nicht. Ein lustiges, aber auch ergreifendes Gespräch.

Damit endete meine Leipziger Buchmesse 2017. Die Weltgeschichte für junge Leserinnen wartet bereits in meinem Bücherregal.

– Q