Kleiner Plausch gefällig? #8

Warum ich keine englischsprachigen Taschenbücher kaufen möchte

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Ich bilde mir ja ein, dass ich mit meinem Blog ein wenig zur Allgemeinbildung beitragen sollte. Aus diesem Grund setze ich mich heute mit einem spannenden Thema auseinander: Buchherstellung. Ausschlag dafür hat die Taschenbuch-Version von Why I’m no longer talking to white people about race von Reni Eddo-Lodge gegeben. Das Buch umfasst Herstellungsfehler, die ich gerne zeigen und erklären möchte. (Das Buch selbst ist ein Must-Read für alle, die sich mit Rassismus auseinander setzen wollen.)
Vergleichen werde ich dieses Taschenbuch mit Siebenschön von Judith Winter aus der dtv Verlagsgruppe, welches exemplarisch für deutsche Taschenbuchausgaben steht. (Den Titel habe ich mir von meiner Mutter stibitzt, weil er einen ähnlichen Seitenumfang wie Why I’m no longer talking… besitzt, also bitte keine Fragen zum Inhalt. )

Wenn die Perücke verrutscht

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Mein kleiner Exkurs in die Buchproduktion beginnt mit der Buchdecke, also den drei Seiten, die das Buch umhüllen und Auskunft über Titel, Autor und Inhalt geben.
Was ist bei dem englischsprachigen Taschenbuch schief gelaufen?
Dafür bitte einen Blick auf das Foto des Buchrückens werfen, also der schmalen Seite der Buchdecke, auf dem Titel, Autor und Verlag vermerkt sind. Was bei Why I’m no longer talking… ins Auge sticht: Der Schriftzug ist vertikal nicht zentriert, sitzt also etwas zu weit unten. Da alle drei Seiten im Layout in einer Datei angelegt werden, sitzt dadurch nicht nur der Schriftzug auf dem Buchrücken falsch. Ein Blick auf das Foto des Covers zeigt, dass der Schriftzug des Titels fast in die Falz, also in den Knick gerät, der entsteht, wenn das Buch geöffnet wird.

Dieser Fehler schmälern das Lesevergnügen nicht, aber wie man am deutschen Taschenbuch sieht, beeinflusst es die visuelle Wirkung. Um es drastisch auszudrücken: Es sieht unprofessionell aus. Da erwarte ich von einem Produkt aus dem Hause Bloomsbury einfach mehr.

Aufschlagen oder aufbrechen?

Für den zweiten Trick habe ich beide Bücher ungefähr in der Mitte aufgeschlagen. Wie man sieht, lässt sich das deutschsprachige Taschenbuch (links) mit einer Hand gut aufschlagen und versucht nicht gleich wieder zuzuschnappen wie Das Monsterbuch der Monster. Ganz anders das englischsprachige Taschenbuch (rechts), das sich vehement weigert, offen zu bleiben, wie man an der Haltung meiner Gagelfingern erkennt.

Grund für dieses unterschiedliche Aufschlagverhalten ist die Faserrichtung des Papiers. Wie jedes Naturmaterial besteht Papier aus Fasern, die in einer Richtung verlaufen. Wenn sich Papier ganz nah vor das Auge hält oder mit einer Lupe studiert, wird diese Richtung sichtbar. Verläuft die Faserrichtung parallel zum Buchrücken, lässt sich das Buch leicht aufschlagen und durchblättern. Wird die Richtung nicht beachtet, bricht man sich beim Öffnung des Buches gefühlt die Hand.

Vergleichbar ist dies mit dem Bruchtest, den man in Kampfkunstvorführungen sieht. Im nachfolgenden Beitrag von Galileo sieht man, dass Typ beim Bruchtest mit seiner Hand parallel zu der Faserrichtung des Holzes schlägt, die man anhand der dunkleren Striche im Holz identifizieren kann. Falls man entgegen der Faserrichtung schlägt, ist es ratsam vorab medizinische Versorgung zu ordern.

Die Faserrichtung wird gefühlt bei jedem englischsprachigen Taschenbuch missachtet, was einhändiges Lesen beim Essen oder Haare föhnen nahezu unmöglich macht. Haare trocknen ist langweilig, don’t judge me.

Achtung, Wasserschaden!

Nicht nur das Aufschlagverhalten verschlechtert sich, wenn die Faserrichtung des Papiers nicht beachtet wird. Bei der Gegenüberstellung der Buchdeckel anhand der Fotos oben erkennt man, dass sich das Cover des englischsprachigen Taschenbuchs konkav* verbogen hat. Diese Verkrümmung entsteht durch Feuchtigkeit und die Eigenschaft von Fasern sich auszudehnen oder zusammenzuziehen.

Bei der englischsprachigen Ausgabe liegen die Fasern nicht parallel zum Buchrücken. Unter dem Einfluss von Feuchtigkeit versuchen sie sich zu bewegen, das heißt, die Seitenhöhe versucht kürzer oder länger zu werden. Diese Bewegung wird von der Bindung verhindert und da den Seiten am Buchrücken kein Spielraum bleibt, verkrümmt sich beispielsweise das Cover. Im schlimmsten Fall beschließt der ganze Buchblock, also die Seiten, die von der Buchdecke umschlossen werden, Bewegung ins Spiel zu bringen, wodurch sich die Seiten vertikal zum Buchrücken wellen und Aufschlagen nur mit roher Gewalt möglich ist.

Liegen die Fasern parallel zum Buchrücken, dehnen sich die Blätter unter Einfluss von Feuchtigkeit aus, werden von der Bindung in ihrer Bewegung aber nicht gestört. Die Seiten verlängern oder verkürzen also ihre Breite, was der Bindung egal ist. Würde man Siebenschön Feuchtigkeit aussetzen, können Wellen parallel zum Buchrücken entstehen, was vielleicht nicht ansehnlich ist, das Aufschlagen aber nicht verhindert.

* Hab diese Eselsbrücke mal aktualisiert: Ist der Bauch konkav, hatte a) das Pärchen guten Sexualunterricht und/oder b) das Verhütungsmittel hat funktioniert, aber bildet euch ruhig ein: Das Mädchen war brav. Ist der Bauch konvex, hatte a) das Pärchen schlechten Sexualunterricht und/oder b) das Verhütungsmittel hat versagt, aber generell stimmt: Das Mädchen hatte Sex.

Fazit

Buchdruck ist ein Handwerk und deshalb ist die Buchproduktion mit ihren vielen Teilschritten nicht zu unterschätzen. Aus diesem Grund findet ich es besonders schade, dass im englischsprachigen Raum wichtige Dinge wie die Faserrichtung nicht beachtet werden. In den USA und in Großbritannien existiert keine Buchpreisbindung, das heißt jeder Buchhändler setzt den Preis, zu dem ein Buch verkauft wird, frei vom Einfluss des Verlags fest. Dadurch versuchen sich die Buchhändler mit ihren Preisen gegenseitig zu unterbieten, die Produktpreise sinken insgesamt, weswegen die Produkte preiswerter hergestellt müssen, damit noch Gewinn abfällt. (Das ist die Ultra-Kurzfassung der ganzen Entwicklung.) Der Nachteil ist: Billige Produktion wertet die Produkte ab und die Zahlungsbereitschaft beim Leser* sinkt („Vor ein paar Jahren war das Papier aber noch hochwertiger… Dafür gebe ich nicht soundso viele Dollar/Pfund aus!“), woraufhin die Händler nachziehen und die Preise anpassen müssen. Der Prozess läuft spiralförmig ab.

Was ist also die Alternative? Einen Kindle besitze ich seit einem Jahr und dank meinem Faible für Fanfiction war ich bereits zuvor an das Lesen langer elektronischer Texte gewöhnt. In Zukunft werde ich mein Geld, was englischsprachige Titel betrifft, also lieber in eine elektronische Ausgabe investieren oder für Herzenstitel tiefer in die Tasche greifen.

Fragen? Dann meldet euch gerne, denn ich möchte weitere Beiträge zum Thema Buchproduktion bringen.

– Q

Kleiner Plausch gefällig? #3

Schreiben wir an der Zielgruppe vorbei? Und wenn ja, was ist die Konsequenz?

Langsam könnte ich das Ding beim Namen nennen und sagen: Ich befinde mich in einer unfreiwilligen Sommerpause. Aber wirklich nur unfreiwillig und bis zur Abgabe meiner Bachelorarbeit, an der ich gerade fast Vollzeit sitze, sind es noch cirka zweieinhalb Monate. Bis dahin ist, was vergnügtes Lesen angeht, weiterhin Ebbe.

Die Ausgangssituation

Da ich Buchhandel/Verlagswirtschaft in Leipzig studiere, beschäftige ich mich nicht nur in meiner Freizeit mit dem Thema Buch. In dem Modul Online-Marketing diskutieren wir aktuell über Social Media Marketing, heute stand die Blogosphäre auf dem Plan. Eine Kommilitonin ist selbst erfolgreiche Buchbloggerin und hat ein wenig aus dem (Statistik-)Nähkästchen geplaudert. Sie selbst bloggt vor allem über deutschsprachige YA und New Adult Fantasy und nimmt an einigen Blogtouren von Verlagen wie beispielsweise Carlsen Impress teil.

Wenn man sich in der Blogosphäre umschaut, geht es vor allem um Rezensionen. Schließlich wollen die Leser der Blogs doch wissen, ob der Autor oder die Autorin das Thema gut umgesetzt hat und die Handlung mitreißt und was noch so vom Kauf überzeugt. Die Kommilitonin hat allerdings festgestellt, dass Rezensionen im Vergleich zu Blogtour-Artikeln sehr viel weniger gelesen werden. Dabei greifen diese Artikel meist nur einzelne Aspekte eines Buches auf und eine Bewertung wird in der Regel nicht gefordert.

Literarische Welten
Literarische Welten

Die Schlussfolgerung

Aufgrund fehlender Reichweite kann ich leider nicht bewerten, ob es Unterschiede zwischen der Zielgruppe meiner Kommilitonin und meiner (potentiellen) Zielgruppe gibt und so bleibt mir nur die Möglichkeit darüber zu philosophieren. Whatever, gonna try that anyway. Also wenn scheinbar eine ganze Reihe Leser gar keine Rezensionen lesen möchte, was kann die Blogosphäre tun, um das Buch an den Leser zu bringen?

Natürlich vor allem kreativ sein. Wer in Kunst nicht unbedingt ein Ass war (Ich erinnere mich gerne an ein Bild, das sowohl Stalin als auch Flamingos zeigte. Dafür habe ich 15 Punkte kassiert. Interpretation ist alles!), dem bleibt immer noch das Schreiben. In dem Buch führt die Autorin ein spannendes neues Magiesystem ein? Dann lass hören, was du damit anstellen würdest. Die Figuren verhalten sich toxisch, aber irgendwie kommt aus dem Kontext nicht hervor, dass es sich dabei um ein problematisches Verhalten handelt? Dann lass uns darüber reden. Der Autor zeichnet besonders durchdachte Charaktere? Dann sprich über die Feinheiten und was daran fesselt.

Und wenn alles versagt, gibt es immer noch die gute alte gestaltende Interpretation. Der Notenretter in Gestalt einer Klausur. Ich drifte ab. Wäre es nicht spannend, sich Büchern auf einer solchen Ebene zu nähern? Quasi Auge in Auge mit dem Verfasser?

Mein Fazit

Die Überschrift kommt jetzt etwas reaktionär daher, weil ich gerade eben noch mokiert habe, dass es sein kann, dass wir am Leser vorbeischreiben. In meinem Fall zwar nur an potentiellen Lesern, aber welche Konsequenz ziehe ich persönlich, wenn meine These der Wahrheit entspricht? Nun, ich werde vermutlich nach dem Bachelor, dann wenn ich mich zuhause mit meinem TBR einschließe und mir von REWE Lebensmittel liefern lasse, mehr Beiträge in dem Stil schreiben, den ich auch schon für mein Gushing über Emily Laing gewählt habe. Schwafeln ist mein Ding und da das hier ein Blog ist, sollte ich mich auf einige Details konzentrieren, um nicht Aufsätze zu liefern.

– Q

P.S.: Das mit REWE war übrigens ein Scherz. Ich bin Student. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

P.P.S.: Langsam wird der Blog hier zu einem Paradebeispiel von Style over Story, aber ich verspreche, dass in spätestens drei Monaten Inhalte kommen.

P.P.P.S.: Hier ein augenöffnender Beitrag von Pop Culture Detective, der sich mit der aus der Norm fallenden Maskulinität von Newt Scamander in Fantastic Beasts beschäftigt hat: