Kleiner Plausch gefällig? #1

Aufgrund einer Leseflaute ist mir heute nach Sinnieren. Natürlich über das Lesen.

Kann man von Gewohnheiten sprechen, wenn sich die meinen je nach Lebenslage und Arbeitspensum ändern? Hier mein Versuch darüber nachzudenken:

Interessengebiete

Urban Fantasy wird vermutlich auf ewig mein Wohlfühlgenre sein. Emily Laing ist und bleibt die Figur, die mich darin bestärkt, dass ich auf eine ganz fabulöse Weise anders bin. Jeder Leser hat vermutlich das eine Buch, die eine Reihe oder den Autor, das/die/der als sicherer Hafen auf turbulenter See dient. Aber seit einiger Zeit ziehen immer mehr Titel in meinem Bücherregal ein, die außerhalb meiner Komfortzone* liegen. Science Fiction und Feminismus sind dabei die zwei Genre, denen ich mich seit cirka einem Jahr immer öfter zuwende, was sie schon wieder Teil der Zone machen könnte. Allerdings bin ich in den Themenbereich noch nicht „angekommen“, kenne noch nicht alle Theorien und Fakten (im Falle des Feminismus) und alle Tropes und Eigenarten (was die Science Fiction betrifft). Ein Genre, vom dem ich mich nahezu vollständig verabschiedet habe, ist Contemporary Young Adult. Die Titel sind auf die Dauer einfach nicht nahrhaft genug für mich.

* Ich nutze das Wort hierbei, um einen Bereich abzugrenzen, auf dem ich mich alltäglich bewege und nicht um einen Versuch zu beschreiben, in Themengebiete vorzustoßen, die mich nicht interessieren oder mir Unbehagen bereiten.

Quantitatives Lesevolumen

Im Vergleich zur Allgemeinheit mag ich als Vielleserin gelten. Im Sinne eines Buchbloggers, egal wie professionell oder amateurhaft, lese ich vergleichsweise wenige Bücher. Zum einen mag dies an meinem Faible für Fanfictions liegen, denn in dem Bereich sorgt mein Lesevolumen seit Jahren für Besorgnis bei meiner parentalen Generation. Andererseits bin ich unglaublich wählerisch, was meine Lektüre angeht. Bevor ich ein Buch kaufe, checke ich Rezensionen auf Goodreads oder suche nach Bloggern, die bereits ihren Eindruck dazu geschildert haben. Des weiteren stecke ich mitten in meiner Bachelorarbeit, was dazu führt, dass ich mich nicht traue, mir einen Tag Zeit zu nehmen, um Bücher durchzulesen und gerade dieses Bingen bereitet mir besondere Freude.

Qualitative Auseinandersetzung

Im Onlinemagazin JETZT erschien Anfang Mai ein Artikel, der sich mit dem Mangel an weiblichen Autoren im literarischen Schul- und Universitätskanon auseinandersetzt (Hier zum Nachlesen zu finden). Die Autorin hat daraufhin ihre eigenen Lesegewohnheiten beobachtet und festgestellt, dass sie selbst immer öfter zu Titeln von Autorinnen greift. Beim Lesen dieses Artikels habe ich großkotzig gedacht, dass ich eindeutig mehr weibliche Autoren lese als männliche, aber die Analyse meiner Bücherschränke zeigte mir, dass ich deutlich falsch lag. Das Gesamtwerk von Christoph Marzi (24 Titel), Bücher von Tolkien, Patrick Rothfuss und Tad Williams sowie alle Bände von Orson Scott Cards Ender-Reihe sorgen dafür, dass in meiner Sammlung 133 Titel aus männlicher Feder stammen. Weibliche Autoren sind hingegen mit lediglich 20 Büchern mehr vertreten. Asche auf mein Haupt, Hochmut kommt vor dem Fall, knapp daneben ist auch vorbei. Von der fehlenden kulturellen Diversität möchte ich gar nicht anfangen. Auf meiner Leseliste landen bereits seit einiger Zeit nur noch Bücher, die sich Underdogs widmen. Und Feminismus. Und Lesben im All. Das gute Zeug halt.



Der versöhnliche Schluss

Lesen will gelernt sein, gerade wenn man den Anspruch erhebt, nicht immer nur den gleichen Einheitsbrei zu lesen und sich mit Themen zu beschäftigen, mit denen man im Alltag nicht konfrontiert wird. Meine Leseliste verspricht einen soliden Sprung über den Tellerrand und mit diesem Gedanken motiviere ich mich in den kommenden Bachelor-dominierten Wochen.

– Q

P. S.: Absolut sehens- und lesenswert ist Autorin Marie Brennans Versuch, in einem viktorianischen Kleid Karate zu praktizieren. Den Bericht dazu ist nachzulesen auf Tor.com und beinhaltet ihre genaue Analyse, wie die einzelnen Stolpersteine des Kleides ihre Form beeinflussten.

Hier das Video, das auch auf dem Youtube-Kanal von Tor.com zu finden ist: