Leipziger Buchmesse 2017: Da war ja was!

Das Gesamturteil meiner Buchmesse lautet: Am Blog arbeiten und nächstes Jahr akkreditieren lassen!

Donnerstag

Warum ist der erste Messetag eigentlich mein Lieblingstag?
Morgens aufwachen, verfrüht in den Bus, am Bahnhof umsteigen und sich wie ein kleines Kind freuen, wenn man eine leere Bahn erwischt. #Zusatzbahnenftw
In der Bahn habe ich dieses Jahr die fabelhafte Artikelsammlung Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack von William Gibson gelesen.

Wer einen der wichtigsten SF-Autoren aller Zeiten über seine Faszination für Bücher, Musik und Reisen in asiatische Städte berichten hören möchte, dem sei dieses Buch besonders empfohlen.

Aber zurück zur Messe: An der Endstation ausgestiegen, ging es dann für mich zum CCL-Eingang. Sehr erfreut war ich in diesem Jahr über die Taschenkontrollen. Der einzige Kritikpunkt, den ich dazu anbringen möchte: Für mehr als einen Blick hineinwerfen hätten sich die Kontrolleure dann doch gerne Zeit nehmen können. Drinnen erwartete mich dann – ganz im Karopartnerlook – die Freundin, die mich Donnerstag und Freitag gerne begleitet.
Als erste Amtshandlung haben wir uns auf die Suche des Kiepenheuer&Witsch-Stands gemacht, der eindeutig die schönsten Stofftaschen verteilt. Danach ging es dann an die systematische Erkundung aller Hallen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem die Ausstellung Schönste Bücher aus aller Welt, die – ganz überraschend – Buchkunst aus verschiedenen Ländern präsentierte.
Zu meiner großen Freude befand sich darunter auch eine schwedische Ausgabe von Roxane Gays Bad Feminist. Da wünsche ich mir glatt, Schwedisch sprechen zu können.

Der erste Tag bot mir einen guten Einblick über alle aktuellen Neuerscheinungen der Verlage, die mich interessieren. Hier ein paar Titel, die ganz sicher auf meiner Leseliste landen werden:

In der oberen Reihe befinden sich folgende Titel:

  • Wir waren doch mal Feministinnen – Von Riot Grrrl zum Covergirl – Der Ausverkauf einer politischen Bewegung von Andi Zeisler (Rotpunktverlag.)
  • Das antikapitalistische Buch der Mode von Tansy E. Hoskins (Rotpunktverlag.)
  • Weltgeschichte für junge Leserinnen von Kerstin Lückner und Ute Daenschel (Kein&Aber)
  • Why I March – Images From The Women’s March Around The World (Abrams Books)

In der unteren Reihe sind zu sehen:

  • Das Herz kommt zuletzt von Margaret Atwood (Berlin Verlag)
  • Big Shots! Places – Die Geheimnisse der Location-Fotografie von Henry Carroll (Midas Collection)

Manga-Comic-Con

Irgendwie konnten wir uns letzten Endes nicht davon abhalten, gleich am ersten Tag Halle Eins zu besuchen. Endlich konnte ich hier den neuen Roman von A. C. Lelis kaufen.  Kaffeekavalier schließt an die Grundstimmung ihres letzten Buches an und bescherte mir einen wundervollen Leseabend, den nur von gelegentlichen Seufzern oder einem frustrierten „NEIN!“ unterbrochen wurde. Zurück nach Halle Eins: Hightlight des Tages war dann aber das Maskottchen des japanischen Fernsehsenders NHK World, das bereits zum zweiten Mal in Folge zu Gast auf der Leipziger Buchmesse war und natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, mit Domo zu posieren. Wobei posieren wohl ein etwas übertriebener Ausdruck für Hinstellen und Schild schief halten ist.

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Freitag

Der zweite Messetag begann für mich sehr produktiv mit einer Buchmesseführung zum Thema Frauen gehen in Führung. Diese und weitere Rundgänge auf der Leipziger und Frankfurter Buchmesse werden vom Projekt Verlage der Zukunft veranstaltet, in diesem Fall in Zusammenarbeit mit dem Verein Bücherfrauen. Angeleitet von einer der Vorstandsmitgliederinnen besuchte unsere Gruppe den Stand von Tolino Media, der Selfpublishing-Plattform der Tolino Allianz, die Leiterin des Phantastikbereichs beim Ullstein Verlag sowie die Gründerin der Schreibschule Zeilensprung.
Danach ging es für mich wieder kreuz und quer über die Messe. Ein paar meiner weiteren Funde:

Das erste Buch steht für einen familieninternen Running Gag, denn ich habe panische Angst vor Haien. Kennt noch jemand die Was ist was?-Bücher aus dem Tessloff Verlag? Ich kannte die genaue Seitenzahl, auf der eben jene Meereslebenwesen vorgestellt wurden und habe sie jedes Mal konsequent überblättert. Hai Ahoi von Owen Davey (Knesebeck) hätte mich als Kind sicherlich hinter die Couch geschickt. Ari Turunens Titel Kann mir bitte jemand das Wasser reichen? (Piper) ist so plakativ, dass man darüber wenigstens ein wenig kichern muss. Ebenso mein absoluter Favourit aus dem Bereich Unterhaltung/Poetry Slam. Lars Ruppel ist mit dem Gedicht Holger, die Waldfee bereits zu den Poetry Slam Meisterschaften 2013 angetreten. Ein Jahr später habe ich auch von der Veranstaltung erfahren und endlich diesen unvergleichlich wortgewandten Poeten kennengelernt. Ähnlich verdreht-ulkig kann vermutlich nur Olaf Schubert denken.

Am Abend stand der Besuch der Nordischen Literaturnacht im Werk 2 an. Zu Gast waren hier insgesamt zwölf Autoren aus fünf – wieder so überraschend – nordischen Ländern, vom noch weniger bekannten Literaten bis zu Superstars. Was gut gemeint war, stellte sich als echtes Ausdauertraining heraus, denn die Autoren waren dazu angehalten worden, in ihrer Muttersprache zu sprechen. Auch wenn ich die Intension verstehen kann, dem Publikum die Vielfalt der nordischen Sprachen nahe bringen zu wollen, sorgte diese Vorgabe dafür, dass im Publikum einige Nickerchen gehalten wurden. Tatsächtlich lohnen würde sich dieses Konzept nur bei einer polyglotten Zielgruppe. Zusätzlich gingen viele Emotionen verloren, vom Verlust von Details will ich gar nicht beginnen. Meine Begleitung und ich haben schließlich nur bis cirka zur Mitte der Veranstaltung durchgehalten, denn wir wollten unbedingt Jostein Gaader zu Gesicht und auf die Ohren bekommen. Danach war dann einfach die Luft raus.

Was hat mir am Freitag am meisten gefehlt? Die Podiumsdiskussion Buchbeschleuniger. In den vergangen Jahren wurden hier aktuelle Branchenthemen wie zum Beispiel der Konflikt zwischen Feuilleton und Buchblog diskutiert. Doch in diesem Jahr war die Veranstaltung aus dem Programm verschwunden. Schade, vielleicht wieder nächstes Jahr? (Falls ich den Programmpunkt übersehen habe, möchte ich gerne in dem Glauben gelassen werden, dass er nie existiert hat.)

Und der ganze Rest

Samstag fiel für mich aufgrund von #Womensproblems mager aus. Erst nach 15 Uhr wagte ich mich auf die Messe und verbrachte zwei anregende Stunden im Taz Studio, der Leseplattform der gleichnamigen Tageszeitung. Redakteurin Doris Akrap interviewte zuerst den slowenischen Autor Dino Bauk, der sein Debüt Ende. Abermals (Hollitzer Verlag) vorstellte. Darin beschreibt er die Geschichte von Denis, einem Ausgelöschten. Diese Bevölkerungsgruppe verfügt über keine Staatenzugehörigkeit und wurde durch die Trennung des slowenischen Staates von Jugoslawien geschaffen.
Anschließend war ZEIT-Redakteur Mohamed Amjahid zu Gast auf der Bühne, der mit Doris Akrap über sein Buch Unter Weißen: Was es heißt, privilegiert zu sein (Hanser Berlin) sprach. Drin beschäftigt er sich mit einer Analyse der weißen Bevölkerungsschicht und zeigt auf, dass alle Bio-Deutschen Alltagsrassismus ausüben, ob dieser nun gewollt ist oder nicht. Ein lustiges, aber auch ergreifendes Gespräch.

Damit endete meine Leipziger Buchmesse 2017. Die Weltgeschichte für junge Leserinnen wartet bereits in meinem Bücherregal.

– Q

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