Rezension: An Excess Male von Maggie Shen King

Ein Blick in Chinas Zukunft

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Ich habe mal wieder meine Leseliste bearbeitet, um nur mit den Lesetipps ins neue Jahr zu starten, die mich wirklich interessierten. Dabei bin ich auf die diesjährige Phantastik-Bestenliste von Barnes & Noble gestoßen, auf welcher unter anderem An Excess Male von Maggie Shen King zu finden ist. Der Vergleich zu The Handmaid’s Tale machte mich neugierig, also habe ich meinen Kindle gezückt und einen Blick in Chinas Zukunft gewagt.

Eine Vornotiz zum Inhalt

Vermutlich kennt jeder die Ein-Kind-Politik, die von der chinesischen Regierung 1979 eingeführt wurde. Diese sollte helfen, Überbevölkerung zu verhindern und das Land sozial und ökonomisch aufblühen zu lassen. Was die Gesetzgeber nicht bedacht hatten: Viele Familien legten es daraufhin an, einen männlicher Stammhalter als einziges Kind zu erhalten, der für die Familie sorgen würde. Berechnungen zufolge werden aus diesem Grund bereits 2030 mindestens ein Viertel der männlichen Bevölkerung selbst in ihren 30ern nicht verheiratet sein. Ein solch starker Überhang eines Geschlechts muss zu einem Umdenken in der Gesellschaft führen.

Der Plot

Zu einem Umdenken ist es in An Excess Male gekommen, denn bereits seit einiger Zeit ist es Frauen gestattet, zwei Männer zu heiraten, nun wurde die Grenze auf drei Männer angehoben. Glück für Wei-Guo, denn er verfügt nur über eine geringe Mitgift und die Familie, in die er einheiraten möchte, sucht dringend nach einem dritten Ehemann. Bereits nach kurzer Zeit wird ihm klar, dass der erhabene Eindruck, den die Familie Wu bei der Heiratsvermittlung erweckte, nur ein Schutzschild ist.

Hann, der erste Ehemann von May-ling, ist ein nicht registrierter Homosexueller, sein Bruder XX, der zweite Ehemann, weist Merkmale autistischen Verhaltens auf. Beide würden zu Aussätzigen werden, wenn ihr Geheimnis gelüftet wird. Auch May-lings Sohn BeiBei, ein Kind mit einem schier unendlichen Vorrat an Energie, sorgt dafür, dass die Familie in der angepassten Öffentlichkeit auffällt.

Doch Wei-Guos Zuneigung für May-ling und ihre kleine Familie wächst von Treffen zu Treffen. So versucht er sein Bestes, die Geheimnisse zu verbergen und nicht selbst ins Visier der chinesischen Regierung zu geraten.

Das Fazit

Was Maggie Shen Kings Roman spannend macht, ist nicht nur die Erforschung der möglichen Auswirkungen der Ein-Kind-Politik, sondern auch, dass An Excess Male aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Wei-guo, der mehr oder weniger junge Mann, der endlich auf Brautschau gehen kann. Hann, der als Willfully Sterile zwar offen homosexuell leben könnte, aber auf Familie und Kind verzichten müsste. XX, der kein Interesse am Familienleben hat und nach einem Weg aus der für ihn unerträglichen Ehe sucht. Und May-ling, die sich nach der Liebe und Zuwendung einer Liebeshochzeit sehnt und trotzdem ihre beiden Ehemänner schützen möchte.

An Excess Male erforscht, wie schutzlos gefährdete Gesellschaftsgruppen wie die LGBT+-Gemeinschaft oder mental beeinträchtigte Personen einem nach Gleichheit und Angepasstheit strebenden System ausgeliefert sind. Weder Hann, noch XX stellen eine Bedrohung für die Gesellschaft dar und doch sind sie auf den Schutz ihrer Familie angewiesen, um nicht ausgegrenzt zu werden. Doch das Buch spendet auch Hoffnung, dass durch den Schutz von Gemeinschaften eben jede bedrohten Gruppen vor der gesellschaftlichen Ausgrenzung bewahrt und integriert werden können.

Das Buch zeigt, was passiert, wenn der Wert eines Geschlechts das anderer überwiegt und welche Veränderungen der chinesischen Gesellschaft noch bevorstehen könnten um die verheerenden Folgen einer politischen Entscheidung zu mindern. Bleibt nur zu hoffen, dass den Frauen des Landes mehr Mitspracherecht zustehen wird als May-ling, um ihnen zu zeigen, wie wertvoll sie für das Land sind.

– Q

Bibliografische Angaben

An Excess Male von Maggie Shen King
HarperCollins, erschienen 2017
416 Seiten
ISBN 978-0-062-66255-2
11,49 €

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Worauf ich mich in 2018 freue!

Wenn ich mich denn mal aus meinem selbst auferlegten Buchkaufbann erlöse…

Das neue Jahr naht und damit auch viele spannende Neuveröffentlichungen. Ich habe noch nicht Vorschauen für 2018 gesichtet, werde es mir vermutlich sparen, da meine Leseliste eh dauerhaft im Wandel ist. Außerdem gehe ich viel lieber in Buchhandlungen und lasse mich überraschen, was die Einkäufer so als relevant erachten. Einige Titel haben es nichtsdestotrotz bereits auf meine Leseliste geschafft.

Murakami geht bekanntlich immer

Gerade war mir aufgefallen, dass mal wieder Bücher von japanischen Autoren fällig sind, da erfahre ich von den neuen Romanen von Haruki Murakami. Perfektes Timing! Fast 1.000 Seiten haben die beiden Titel zusammen und ich bin gespannt, ob mich das neue Werk ähnlich fesseln wird wie 1Q84.
Die Handlung wird sich um einen jungen Maler drehen, der in eine Schaffenskrise verfällt, als er einen reichen Auftraggeber portraitieren soll. Dann findet er ein Bild mit Titel „Die Ermordung des Commendatore“ und ist wie besessen von dem meisterhaften Werk. Merkwürdige Geschehnisse um den Ich-Erzähler bringen ihn dazu, sich an seinen Auftraggeber zu wenden. Als er dies tut, muss er feststellen, dass der Herr einen ungeahnten Einfluss auf sein Leben ausübt.
Band 1: Eine Idee erscheint am 22. Januar 2018 bei Dumont, Band 2: Eine Metapher wandelt sich folgt am 16. April 2018.

Cover von Mitternacht von Christoph Marzi

Neue Phantastik von Christoph Marzi

Bekanntlich liebe ich Christoph Marzis Bücher über alles. Doch ich gebe ehrlich zu, dass mir seine nicht-phantastischen Titel, was die Handlung betrifft, oft zu ähnlich und zu liebeslastig sind (Tief in meinem Inneren bin ich der Grinch.). Deshalb freue ich mich besonders, dass nun endlich Mitternacht erscheint, der Erscheinungstermin war nach hinten verlegt worden.
Auch in seinem neusten Roman spielt Marzi mit dem Übergang zwischen zwei Welten und lässt seinen Helden in die Welt der Geister stolpern. Unterstützt von einem reisenden Geist und einem Findelgeistmädchen (Ja, es stiehlt das Herz des Helden, damit muss ich jetzt einfach klarkommen.) führt der Weg des Jungen zu einem Ort, der den Namen Mitternacht trägt und an dem Hoffnung geboren wird und Träume sterben.
Mitternacht erscheint am 1. März 2018 bei Piper und ich werde bereit sein für das Abenteuer!

Cover von Die Gabe von Naomi Alderman

Die Preisträgerin des Baileys Women’s Prize for Fiction 2017

Dank der Auszeichnung mit dem Baileys Women’s Prize for Fiction hat Naomi Alderman für ihrem Roman Die Gabe 2017 bereits viel Aufmerksamkeit erhalten. 2018 erscheint der Titel endlich in Deutschland und ich bin gespannt, wie der Titel beim deutschen Publikum ankommt.
In Die Gabe erhalten Frauen plötzlich die Fähigkeit, mit ihren Händen Stromschläge auszusenden, was die Vorstellung, welches Geschlecht das stärkere ist, völlig auf den Kopf stellt. Betroffen ist nicht nur die Elite der Gesellschaft, sondern auch die, deren Stimmen sonst nur allzu einfach überhört werden.
Die Gabe erscheint am 12. März 2018 bei Heyne.

Cover von Autonom von Annalee Newitz

Arbeiten bis in den Tod

Autonom ist ein typischer Fall von „Oh, das Cover sieht aber interessant aus!“. Dass William Gibson den Titel lobt, schadet allerdings auch nicht. Wobei ich vermutlich noch einmal darüber nachdenken werde, ob ich mir wirklich zur deutschsprachige Ausgabe greife. Leider überzeugt mich die Qualität der Taschenbücher von Fischer Tor nicht so richtig. Das für den Buchdeckel verwendete Papier habe ich als preiswert empfunden. Aber zurück zum Buch!
Eine neue Droge sorgt dafür, dass Menschen solange arbeiten, bis ihr Körper versagt. Jack ist eine Patentpiratin, sie kopiert Präparate und verkauft sie auf dem Schwarzmarkt. Als die tödliche Nebenwirkung der neuen Droge bekannt wird, kommen Jacks Kopien in den Verdacht. Doch sie ist sich sicher, dass die Pharmakonzerne selbst die Übeltäter sind und macht sich zusammen mit Freunden auf die Ursachensuche. Viel Zeit bleibt ihnen nicht, denn die Pharmakonzerne haben sich bereits an die Fersen von Jack geheftet und sie als Terroristin verleumdet.
Autonom erscheint am 24. Mai 2018 bei Fischer Tor und ich freue mich auf eine atemlose Verfolgungsjagd.

Cover von Almost Love von Louise O'Neill

Ein feministisches Eisbad

Von Louise O’Neill habe ich in diesem Jahr bereits Only ever yours gelesen und nicht rezensiert, weil ich eine furchtbare, furchtbare Bloggerin bin. Empfehlen kann ich das Buch jedoch über alle Maßen. Es ist kein angenehmes Buch, aber eins das wichtig ist und lange nach der letzten Seite immer wieder zum Nachdenken anregt. Ebenfalls für 2018 vorgenommen habe ich mir Asking for it, das vermutlich wieder schockieren und eine unbezahlbare Lektion sein wird.
In Almost Love verliebt sich Sarah in einen Mann namens Matthew. Er ist zwanzig Jahre älter als sie und ihre Freunde und Familie sind schockiert, aber all das ist Sarah egal, denn Matthew bedeutet ihr alles. Selbst als sie kurz davor steht ihre Arbeit zu verlieren, ist alles, woran sie denken kann, Matthew. Ihre Liebe ist nicht ohne Schmerz, aber so soll Liebe doch anfühlen?
Almost Love wird von riverrun am 1. März 2018 veröffentlicht und ich bin so gespannt, auf den Abgrund, in den Louise O’Neill mich in diesem Buch entführen wird.

Cover von American Panda von Gloria Chao

Der Fluch der elterlichen Erwartungen

Zwischen hartem Science-Fiction und ernsthaften Romanen werde ich auch in 2018 immer wieder mal einen fluffig-leichten YA-Roman einschieben. Darunter fällt auch American Panda von Gloria Chao, auf das ich dank einer animierten Version des Covers auf Twitter aufmerksam geworden bin. Manchmal bin ich echt so cheap…
Mei ist endlich am Ziel der Träume (ihrer Eltern) angekommen, dem Medizinprogramm des MIT und das mit nur 17 Jahren. Dumm nur, dass der Masterplan ihrer Eltern nicht berücksichtigt, dass Mei Keime und Bakterien hasst und der Junge ihrer Träume nicht der gewünschte taiwanesische Schwiegersohn ist, sondern ihr japanischer Kommilitone. Ihr Bruder wurde aus der Familie verstoßen, als er eine aus elterlicher Sicht falsche Partnerin gewählt hatte. Als Mei ihn wieder trifft, muss sie abwägen, was ihr die gesponnenen Lügen wert sind und ob sie sich aus dem Netz befreien kann, um sie selbst zu sein.
American Panda erscheint am 6. Februar 2018 bei Simon Pulse.

Cover von From Twinkle, with Love von Sandhya Menon

Der Wunsch gehört zu werden

When Dimple met Rishi habe ich dieses Jahr eigentlich nur gekauft, weil es gerade bei Kindle im Angebot war. Es hat mich dann aber so mitgerissen, dass ich auch das neue Buch von Sandhya Menon lesen werde.
In From Twinkle, With Love geht es erneut um einen Contest. Dieses Mal möchte die aufstrebende Regisseurin Twinkle einen Film beim Summer Festival einreichen, sodass ihre Stimme endlich gehört wird. Auf das Festival aufmerksam macht sie Sahil, ebenfalls ein Filmbegeisterter. Neben der Chance endlich einen ihrer eigenen Filme auf einer großen Leinwand zu sehen, lockt die Möglichkeit ihrem langjährigen Crush Neil, Sahils Zwilling, näher zu kommen. Als ein unbekannter Absender beginnt, Twinkle Emails zu schreiben, ist sie sich sicher, dass Neil dahinter steckt. Wer sonst könnte sich hinter „N“ verbergen? Und dann sind da auch noch die Gefühle, die sie langsam für Sahil entwickelt.
From Twinkle, With Love erscheint am 22. Mai 2018 bei Simon Pulse.

Comics in 2018

Die Kategorie, in der ich für 2018 am planlosesten bin, sind die Comics und Graphic Novels. Fest steht momentan nur ein Titel, aber der muss unbedingt. Moonstruck erscheint bei Image Comics und sieht goddamn adorable aus. Wenn das kein Kaufgrund ist, dann möchte ich darauf hinweisen, dass die Geschichte von der Lumberjanes-Autorin Grace Ellis geschrieben wurde. Eine weitere Reihe, die ich noch lesen möchte…

Cover der Howls Moving Castle Trilogy von Diana Wynne Jones

Eine Reise in eine wohlbekannte, zauberhafte Welt

Die World of Howl-Trilogie von Diana Wynne Jones ist zwar keine Neuerscheinung, aber fest für meinen Kanon des nächsten Jahres eingeplant. Ich möchte unbedingt wissen, was nach Das wandelnde Schloss passiert und erneut in die zauberhafte Welt eintauchen, die die Autorin geschaffen hat. Außerdem interessiert mich, wie stark Buch und Film voneinander abweichen. Welchen besseren Anlass kann man für einen Hayao Miyazaki-Filmeabend haben?

Drückt mir die Daumen, dass mir nicht doch noch eine Vorschau in die Hände fällt. Aktuell gefällt mir der Plan, so wie er ist.

– Q

Rezension: Who runs the world? von Virginia Bergin

Die Frage ist nicht, wer am Hebel sitzt.

Glücklicherweise habe ich mich erst nach der Hälfte des Buches gefragt, ob von Who runs the world? weitere Teile erscheinen. Die Rezensionen auf Goodreads hätten mich sonst womöglich davon abgehalten, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen. Und was wäre mir da für ein bissiges Werk entgangen!

Der Plot

60 Jahre sind vergangen seit ein Virus fast die gesamte männliche Weltbevölkerung ausgelöscht hat und so versteht River zuerst gar nicht, welche Sensation ihr auf ihrem Weg zurück ins Dorf begegnet. Das Wesen, der Mann, der Junge wie sie später feststellt, ist mehr tot als lebendig und sein Verhalten verängstigt River, ein Gefühl, das sie gegenüber einem Menschen bisher noch nie empfunden hatte. Sie will ihn vom seinem Leid erlösen – das verlangt der Anstand -, kann sich aber nicht dazu durchringen und übergibt ihn zurück im Dorf in die Obhut der Großmutter. Als diese erfährt, dass der Junge bereits mehr als einen Tag im Freien umhergeirrt ist, gerät sie in Aufregung, denn noch nie hat ein Mensch mit XY-Chromosomen dem Virus, der noch immer wütet, standhalten können.

River ahnt noch nicht, dass ihre Welt aus den Angeln gehoben und umgekehrt wird. Denn der Junge, Mason, sorgt dafür, dass die Frage aufkommt, ob die Gesellschaft, in der River lebt, so friedliebend und fair ist, wie zuvor angenommen. Wie sich herausstellt, leben die Personen, die mit einem XY-Chromosom geboren wurden, kein so behütetes Leben, wie es das nationale Konzil behauptet.

Die Intension der Autorin

In einem Nachwort erklärt Virginia Bergin, dass sie das literarische Konzept der Männer als Unterdrücker und der Frauen als Unterdrückte nicht einfach umkehren wollte. Bei der Entwicklung des Buches bemerkte sie, dass sie gar nicht wusste, was das soziale weibliche Geschlecht ausmachte. Umso mehr sie darüber nachdachte, desto mehr wollte sie wissen, wie eine Gesellschaft aussehen könnte, in der Vorstellungen über das soziale Geschlecht unser Denken nicht beeinflusst.

In Who runs the world? werden die Frauen überwiegend in drei Gruppen geteilt: Die Großmütter haben den Ausbruch des Virus erlebt und dafür gesorgt, dass die Männer, die überlebt haben, in Quarantänestationen sicher untergebracht werden. Dann sind da die Mütter, welche bereits in einer Welt aufgewachsen sind, in der Männer keine Rolle im täglichen Leben gespielt haben. Sie legten die sieben globalen Vereinbarungen fest, welche das Miteinander der Menschen regeln und strukturierten die Welt damit für nachkommende Generationen. Zu denen gehört auch River, eines der Kinder, das die globalen Vereinbarungen aufgewachsen ist und anstrebt, seinen Betrag für Fortschritt und Wohlergehen der Menschen zu leisten.

Die Negation der Negation ist positiv?

Was ich besonders interessant fand, waren die Konflikte zwischen River und ihrer Großmutter Kate, welche durch ihre unterschiedlichen Lebenserfahrungen immer wieder auftraten. So verstanden River und ihre Mutter nicht, warum die Großmutter darauf bestand, dass sie in Masons Gegenwart stets bekleidet sein müssen. Die Großmutter versuchte in mehreren Anläufen zu erklären, warum Nacktheit in Anwesenheit eines Mannes unangebracht sei, gab aber schließlich auf und verlangte, dass die beiden Frauen die neue Regel ihr zuliebe umsetzen sollten.

Zudem trifft Virginia Bergin den Ton eines Teenagers meiner Meinung nach ziemlich gut. River ist, solange sie sich in ihrem Wohlfühlbereich befindet, ein analytischer Charakter, der nicht gerne im Mittelpunkt steht. Durch die Masons Ankunft muss sie sich immer wieder Situationen stellen, die ihr ganz und gar nicht geheuert sind und dank Hormone kocht sie deswegen hin und wieder über. Trotzdem wagt sie sich, über ihre Grenzen hinaus zu gehen und ist in ihrer Begeisterung kaum zu bremsen, wenn es um Themen geht, die sie interessieren.

Die Metaebene

Die Autorin schafft es immer wieder geschickt, feministische Grundideen und Problematiken in der Handlung unterzubringen, die dem Leser* bekannt vorkommen werden, so zum Beispiel „Was ist so schlimm daran, ein Mädchen zu sein?“. Vielleicht sind ein paar der Leser*, die sich auf Goodreads über das Buch echauffiert haben, davon ausgegangen, dass der Klappentext „Welcome to the matriarchy“ bedeutet, dass hier von einer Utopie berichtet werden soll. Doch bei Who runs the world? handelt es sich eindeutig um eine Dystopie, nur, dass es dieses Mal eben die Frauen sind, welche die Fehler gehen.
So müssen River und ihre Vertrauten gegen Ende des Buches überlegen, was aus Mason werden soll.

‚The way you’re talking… you’re making it sound like he’s a different species or something.‘ […]

‚He might as well be a different species,‘ says Kate. […]

‚I’ve read about this‘, Plat says, ‚about the way some men used to talk about women – now listen to how you’re talking about him.‘

Während Kate durch einen Vorfall, in den River verwickelt war, an all die Dinge erinnert wurde, durch die Frauen vor dem Ausbruch des Virus herabgesetzt wurden und diese nun gegen Mason einsetzt, können River und ihre Freundin Plat die Situation ohne Altlasten einschätzen und die Doppelmoral von Kate durchschauen.

Wofür könnte dieses Buch eine Metapher sein? Zum einen, dass ein Teil der Weltbevölkerung in ihrem Denken weiter ist als andere Teile und dass diese Teile nicht vergessen werden dürfen. Ansonsten wird Kluft innerhalb gesellschaftlicher Strömungen immer tiefer. Zum anderen, dass die Zukunft nur eine Utopie werden kann, wenn die Geschlechter auf Augenhöhe interagieren und ihnen dieselben Rechte und Pflichten zugesprochen werden. Und zuletzt dafür, dass man sich immer fragen sollte, was Fortschritt und der eigene Wohlstand wert sind, wenn diese auf Kosten anderer erreicht werden.

Mein Fazit

Wie bei Beauty Queens von Libba Bray habe ich nicht mit einer so gut durchdachten Handlung gerechnet. Bitte keine Nachfragen warum dem so ist, denn ich kann es mir selbst nicht erklären. Natürlich ist das Buch nicht ohne Fehler, da ist zum einen die fehlende Auseinandersetzung mit Menschen, deren sexuelles Geschlecht nicht eindeutig zugeordnet werden kann oder mit abweichender Geschlechtsidentität. Außerdem erfährt man auch wenig über die gesellschaftlichen Strukturen, die außerhalb Rivers Dorf herrschen. Interessant gewesen wären zudem mehr Hintergründe zu den Quarantänestationen.
Doch das Buch bietet eine willkommene Abwechslung zu männlich dominierten Apokalypsen. Ich bin nun gespannt auf Naomi Aldermans Die Gabe. In dem Buch werden Frauen durch eine Fähigkeit plötzlich das mächtigere Geschlecht und auch hier ergeben sich weitreichende Veränderungen beim Zusammenleben der Geschlechter. Das Buch erscheint im März bei Heyne auf Deutsch.

Und wer mir erzählen möchte, dass River nicht in Plat verliebt ist: Fight me! (An dieser Stelle einen gerade aus dem Winterschlaf erwachten Grizzly vorstellen, der Hunger hat und dem ein anderer Grizzly den Weg zum Fluss mit den besten Lachsen versperrt.)

– Q

P.S.: Die Antwort auf die Frage Who runs the world? ist meiner Meinung nach übrigens: Das ist völlig egal, solange nicht alle Menschen die gleichen Rechte und Pflichten unabhängig jeglicher Persönlichkeitsmerkmale besitzen. Und dadurch erhält jeder dieselbe Chance sie mitzugestalten.

Bibliografische Angaben

Who runs the world? von Virginia Bergin
Pan Macmillan, erschienen 2017
352 Seiten
ISBN 978-1-509-83403-7
9,49 €

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Rezension: Die 33. Hochzeit der Donia Nour von Hazem Ilmi

Mit einem Fingerschnippen gegen die islamistische Diktatur 2.0.

Wir schreiben das Jahr 2048 und das Land Großägypten wird durch die Neo-Scharia und eine Gruppe von Oligarchen kontrolliert, die das Land vollständig abgeriegelt haben. Die Bevölkerung wird ähnlich des Kastensystems in drei Gruppen gegliedert und lebt in abgegrenzten Landesteilen. Donia Nour muss nur noch einmal für eine Nacht Braut sein, dann hat sie genug Gold angespart, um die Schlepper zu finanzieren, die sie über die Landesgrenze bringen sollen.

Seit Ostaz Mukhtar das letzte Mal Koshari gegessen hat, sind etwas weniger als 100 Jahre vergangen – zumindest auf der Erde, denn gefühlt waren es für ihn nur zwei Jahre seit eine Gruppe Außerirdische ihn entführte. Nun soll er zurück nach Großägypten, denn um die Revolution zu beginnen, die zum Zusammenfall des Regimes führt, benötigt Donia Nour seine Unterstützung.

Überwachung

Neben der Grausamkeit die Donia in ihrem Leben erfährt, waren es die Überwachung und die Isolation, die sie aushalten muss, die besonders stark auf mich gewirkt haben. Zu Beginn des Buches auf dem Weg zur Arbeit verrutscht ihre E-Hidschab und sofort geht neben ihr ein Detektor los, der sie und ihr unmittelbares Umfeld auf diesen Verstoß aufmerksam macht. Teil der täglichen Religiosität sind elektronische Rosenkränze, welche das Beten des Nutzers aufzeichnen. Der Person werden daraufhin Punkte auf ein Gute-Taten-Punktekonto gutgeschrieben, welches prognostiziert, ob der Weg in den Himmel sicher ist.

Isolation

Isolation wird durch die Sprache der Gläubigen erzielt. Donia unterhält sich an einem Punkt des Buches mit einer Kollegin und da jeder zweite Satz eine Lobpreisung auf ihren Gott enthält, liest sich die Unterhaltung so, als würden die Frauen aneinander vorbeireden. Erst viel später, als Donia einen Tiefpunkt erreicht und beginnt das System ihres Heimatlandes zu hinterfragen, findet in den Gesprächen mit ihren Mitmenschen ein Austausch von Gedanken statt.

Isolation durch das herrschende Regime wird zudem durch das Verwehren eines Zugangs zum Internet erreicht. Das ist mir erst relativ spät aufgefallen, weil ich davon ausgegangen bin, dass eine so hypermoderne Gesellschaft einfach ständig mit dem Internet verbunden sein muss, aber natürlich lässt sich durch das Verwehren des Zugangs Wissen extrem gut kontrollieren. Das Internet ist für mich bereits eine essentielle Quelle für Informationen geworden und ich gebe gerne zu, dass ich ohne diesen einfachen Zugang echt aufgeschmissen wäre. Auch wenn ich weiß, wie ich zur Bibliothek komme.

Die Pyramiden von Gizeh

Grausamkeit

Vermutlich ist es keine allzu große Überraschung, dass dieses Buch den Niedergang einer zutiefst patriarchischen Gesellschaft erzählt. Jungfräulichkeit für Frauen und Ehen mit mehreren Frauen für Männer, you know the drill. Donia lernt bereits früh, dass den Männern in ihrem Umfeld nicht zu trauen und Flucht ihre einzige Möglichkeit ist, um dem erdrückenden System zu entkommen. Jede einzelne ihrer Hochzeiten ist ein notweniges Übel, um ihr Ziel zu erreichen. Überhaupt ist der Hang zur Gewalt bei den Männern, die ihr begegnen, deutlich. Auch Ostaz muss dies am eigenen Leib spüren, als er sich öffentlich kritisch zum Fundamentalismus äußert.

Mein Fazit

Die 33. Hochzeit der Donia Nour erzählt von einer Gesellschaft, die am Fundamentalismus und der Gier einer Oligarchie krankt. Die Kritik an der Auslegung des Koran sowie dem Drang, Menschen daran zu hindern, über Glauben nachzudenken und damit ihren eigenen Weg zur Religiosität, zum Atheismus oder Agnostizismus zu finden, ist nicht zwischen den Zeilen versteckt, sondern deutlich ausformuliert. Glaube ist Privatsache und Hazem Ilmi beschreibt, was passiert, wenn Überwachung und Isolation genutzt werden, um die Umsetzung unreflektierter religiöser Grundsätze zur Staatsangelegenheit zu machen.

Natürlich musste ich an einigen Stellen des Buches ordentlich schlucken. Die Ehemänner von Donia Nour schrecken nicht davor zurück, Gewalt auszuüben, um das zu bekommen, wofür sie einen Brautpreis bezahlen. Für wen sexuelle Gewalt ein Triggerthema ist, dem rate ich deshalb von der Lektüre ab. Ansonsten empfehle ich das Buch jedem, der nach einer Dystopie sucht, die von einer starken Frau handelt, die ihr Ziel unablässig verfolgt.

– Q

Bibliografische Angaben

Die 33. Hochzeit der Donia Nour von Hazem Ilmi
Blumenbar, erschienen 2016
272 Seiten
ISBN 978-3-351-05027-6
18 €

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Kleiner Plausch gefällig? #1

Aufgrund einer Leseflaute ist mir heute nach Sinnieren. Natürlich über das Lesen.

Kann man von Gewohnheiten sprechen, wenn sich die meinen je nach Lebenslage und Arbeitspensum ändern? Hier mein Versuch darüber nachzudenken:

Interessengebiete

Urban Fantasy wird vermutlich auf ewig mein Wohlfühlgenre sein. Emily Laing ist und bleibt die Figur, die mich darin bestärkt, dass ich auf eine ganz fabulöse Weise anders bin. Jeder Leser hat vermutlich das eine Buch, die eine Reihe oder den Autor, das/die/der als sicherer Hafen auf turbulenter See dient. Aber seit einiger Zeit ziehen immer mehr Titel in meinem Bücherregal ein, die außerhalb meiner Komfortzone* liegen. Science Fiction und Feminismus sind dabei die zwei Genre, denen ich mich seit cirka einem Jahr immer öfter zuwende, was sie schon wieder Teil der Zone machen könnte. Allerdings bin ich in den Themenbereich noch nicht „angekommen“, kenne noch nicht alle Theorien und Fakten (im Falle des Feminismus) und alle Tropes und Eigenarten (was die Science Fiction betrifft). Ein Genre, vom dem ich mich nahezu vollständig verabschiedet habe, ist Contemporary Young Adult. Die Titel sind auf die Dauer einfach nicht nahrhaft genug für mich.

* Ich nutze das Wort hierbei, um einen Bereich abzugrenzen, auf dem ich mich alltäglich bewege und nicht um einen Versuch zu beschreiben, in Themengebiete vorzustoßen, die mich nicht interessieren oder mir Unbehagen bereiten.

Quantitatives Lesevolumen

Im Vergleich zur Allgemeinheit mag ich als Vielleserin gelten. Im Sinne eines Buchbloggers, egal wie professionell oder amateurhaft, lese ich vergleichsweise wenige Bücher. Zum einen mag dies an meinem Faible für Fanfictions liegen, denn in dem Bereich sorgt mein Lesevolumen seit Jahren für Besorgnis bei meiner parentalen Generation. Andererseits bin ich unglaublich wählerisch, was meine Lektüre angeht. Bevor ich ein Buch kaufe, checke ich Rezensionen auf Goodreads oder suche nach Bloggern, die bereits ihren Eindruck dazu geschildert haben. Des weiteren stecke ich mitten in meiner Bachelorarbeit, was dazu führt, dass ich mich nicht traue, mir einen Tag Zeit zu nehmen, um Bücher durchzulesen und gerade dieses Bingen bereitet mir besondere Freude.

Qualitative Auseinandersetzung

Im Onlinemagazin JETZT erschien Anfang Mai ein Artikel, der sich mit dem Mangel an weiblichen Autoren im literarischen Schul- und Universitätskanon auseinandersetzt (Hier zum Nachlesen zu finden). Die Autorin hat daraufhin ihre eigenen Lesegewohnheiten beobachtet und festgestellt, dass sie selbst immer öfter zu Titeln von Autorinnen greift. Beim Lesen dieses Artikels habe ich großkotzig gedacht, dass ich eindeutig mehr weibliche Autoren lese als männliche, aber die Analyse meiner Bücherschränke zeigte mir, dass ich deutlich falsch lag. Das Gesamtwerk von Christoph Marzi (24 Titel), Bücher von Tolkien, Patrick Rothfuss und Tad Williams sowie alle Bände von Orson Scott Cards Ender-Reihe sorgen dafür, dass in meiner Sammlung 133 Titel aus männlicher Feder stammen. Weibliche Autoren sind hingegen mit lediglich 20 Büchern mehr vertreten. Asche auf mein Haupt, Hochmut kommt vor dem Fall, knapp daneben ist auch vorbei. Von der fehlenden kulturellen Diversität möchte ich gar nicht anfangen. Auf meiner Leseliste landen bereits seit einiger Zeit nur noch Bücher, die sich Underdogs widmen. Und Feminismus. Und Lesben im All. Das gute Zeug halt.



Der versöhnliche Schluss

Lesen will gelernt sein, gerade wenn man den Anspruch erhebt, nicht immer nur den gleichen Einheitsbrei zu lesen und sich mit Themen zu beschäftigen, mit denen man im Alltag nicht konfrontiert wird. Meine Leseliste verspricht einen soliden Sprung über den Tellerrand und mit diesem Gedanken motiviere ich mich in den kommenden Bachelor-dominierten Wochen.

– Q

P. S.: Absolut sehens- und lesenswert ist Autorin Marie Brennans Versuch, in einem viktorianischen Kleid Karate zu praktizieren. Den Bericht dazu ist nachzulesen auf Tor.com und beinhaltet ihre genaue Analyse, wie die einzelnen Stolpersteine des Kleides ihre Form beeinflussten.

Hier das Video, das auch auf dem Youtube-Kanal von Tor.com zu finden ist:

Rezension: Shadow of the Hegemon von Orson Scott Card

Über neue Schatten und das Aus-dem-Schatten-treten.

Der Krieg gegen die Bugger liegt bereits einige Monate zurück und die Gruppe um Ender ist auf die Erde zurückgekehrt. Viel Zeit, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen, bleibt ihnen aber nicht, denn als Petra eines Tages verschwindet, kündigt sich neues Unheil an. Bean entkommt mit seiner Familie nur knapp einem Anschlag und weiß sofort, welcher alte Feind ihm auf den Fersen ist. Zusammen mit Schwester Carlotta begibt er sich auf die Flucht. Bald zeigt sich, dass Petra und weitere entführte Kinder für weitaus dunklere Pläne ausgenutzt werden sollen als geahnt und so schließt sich Bean widerwillig mit Enders Bruder Peter zusammen, um seine ehemaligen Gefährten zu retten.

Nachdem ich dieses Buch fertig gelesen hatte, machte ich mir Gedanken, warum ich die Welt, die Card in der Shadow-Tetralogie schafft, so fesselnd finde. Zuerst einmal sind da all diese unterschiedlichen Ethnien, die in den Büchern eine Bühne erhalten. Die Kinder, die an der Battle School unterrichtet wurden, stammen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Ländern. Als die Erdbevölkerung in Ender’s Shadow mit den Außerirdischen einen gemeinsamen Feind hatte, rückten die altvertrauten Konflikte in den Hintergrund und alle Nationen arbeiteten zusammen. In Shadow of the Hegemon gibt es zu Beginn keinen gemeinsamen Feind und die Länder gehen wieder zum Tagesgeschäft über und versuchen ihren Einfluss in der Welt zu festigen oder zu stärken. Von dieser Entwicklung werden auch die ehemaligen Schüler der Battle School beeinflusst. Kinder, die zuvor gemeinsam in Armeen gekämpft haben, stehen sich jetzt wieder feindselig gegenüber. Was diesen Teil so interessant gestaltet hat, ist, dass Card keine Positionen zu Konflikten bezieht. Natürlich gibt es Nationen, die Vorherrschaft erlangen wollen, aber er greift nicht darauf zurück, ein schwarz-weißes Bild zu zeichnen, sondern erklärt, woraus dieses Streben erwächst.

Ein weiterer Faktor, der die Faszination ausmacht, ist die Beziehung zwischen den Erwachsenen und Kindern. Gerade noch haben Bean, Petra und die weiteren Auserkorenen den entscheidenden Krieg gegen die außerirdische Invasion gewonnen. Zurück auf der Erde kehren sie in ein Leben zurück, mit welchem sie nichts verbindet außer verstaubte Erinnerungen. Unter den Erwachsenen herrscht eine Unsicherheit, was mit den Veteranen geschehen soll. Körperlich sehen die Schützlinge aus wie Kinder, aber ihre Erlebnisse im Weltall haben sie psychisch rapide altern lassen. Die Eltern der Kinder hegen den Wunsch, die verlorene Zeit mit ihren Kindern auszugleichen, während die zurückgekehrten Söhne und Töchter versuchen, sich in einen Welt einzufügen, die komplett andere Forderungen an sie stellt, als sie es aus der Battle School gewohnt sind.
Gleichzeitig herrschen Unterschiede in den Gefühlswelten der Kinder. Während Bean zufrieden mit seiner Position als Enders rechte Hand war, kämpft Petra immer noch mit dem Schamgefühl, welches die Erinnerung über ihren Zusammenbruch während der letzten Phase des Krieges auslöst. Gerade diese Nuancen herauszuarbeiten, ist eine von Cards großen Stärken. Ich konnte nicht voraussagen,  welche Figur auf eine Situation wie reagieren wird.

Besonders sind auch die emotionalen Momente des Buches, die nicht übertrieben wirken. Vielmehr gibt Card seinen Figuren genau das, wonach sie sich sehnen. Weil er zuvor viel Zeit dafür aufwendet, seine Hauptcharaktere im Detail vorzustellen, fällt es leicht nachzuvollziehen, warum eben jene Situation für die jeweilige Person wichtig ist. Ein ergreifendes Beispiel hierfür ist der Moment, als Peter seinen Eltern offenbart, dass er hinter den zwei einflussreichsten Personas steckt, die das aktuelle Weltgeschehen beeinflussen und seine Mutter ihm daraufhin sagt, dass sie und der Vater auf Peter im gleichem Maße stolz sind wie auf Ender. Peter, der nach der gleichen Anerkennung lechzt, die sein kleiner Bruder erhalten hat, erhält diese von seinen Eltern, womit er nie gerechnet hätte.

Eine Leseempfehlung kann ich natürlich nur Lesern aussprechen, die mindestens Ender’s Shadow gelesen haben. Aber all jene erwartet eine Welt mit politischen Verstrickungen, welche die Kinder der Battle School dringender denn je braucht.

– Q

Bibliografische Angaben

Shadow of the Hegemon von Orson Scott Card
TOR, erstmals erschienen 2000
451 Seiten
ISBN 978-0-812-56595-9
$ 7.99

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Rezension: Ender’s Shadow von Orson Scott Card

Im Schatten von Ender Wiggin.

Während Ender in einer glücklichen Familie aufwächst, abgesehen vom machthungrigen Bruder, muss Bean in den ersten Jahren seines Lebens um das blanke Überleben kämpfen.

Die Straßen von Rotterdam sind kein Ort um Freundschaften zu schließen und doch überzeugt Bean die Anführerin einer Kindergang von einem Plan, der das Leben aller Kinder auf den Straßen der Stadt verändern wird. Zusammen wollen sie einen der großen Jungen gefangen nehmen und zu ihrem Beschützer machen. Als der Plan gelingt, ist das Überleben der Gruppe vorerst gesichert, doch hinter der Fassade ihres selbsternannten Papas versteckt sich ein rachsüchtiger Mensch, der keine Kränkung verzeiht.
Schließlich kommt die Gruppe in Kontakt mit der Geistlichen Schwester Carlotta, die Potential in Bean sieht und ihn in der Battle School unterbringt.
Dort trifft er auf den Jungen Ender Wiggin, in dessen Schatten er sich zu einer der wichtigsten Personen im Krieg gegen die außerirdische Bedrohung entwickelt.

Wer Ender’s Game bereits gelesen hat, trifft hier all die bekannten Charaktere des ersten Teils der Ender Wiggin Saga wieder und erfährt aus einer völlig anderen Perspektive, wie sich die Ausbildung an der Battle School sowie der Kampf gegen die Bugger zugetragen hat.

Beans Intelligenz übertrifft die Enders um einige Prozente, aber seine Schwäche sind – vielleicht auch wegen den Jahren, die er auf der Straße verbracht hat – Gefühle. Gerade am Anfang des Buches reagiert er auf emotionale Situationen kalkulierend. Andererseits taucht man in seine Gedankenwelt tief ein und erfährt, warum er zu welcher Schlussfolgerung gelangt.
Immer wieder lässt Orson Scott Card Bean sehr überzeugt von seiner Meinung erscheinen, sodass ich mehrmals auf Ausführungen hereingefallen bin, die sich im Nachhinein als falsch herausgestellt haben.

Neu eigeführt in diesem Buch sorgt Schwester Carlotta immer wieder für ein Schmunzeln oder ausgewachsene Lacher. Für eine Geistliche redet sie sehr abgeklärt und sarkastisch daher. Gerne nutzt sie Bibelverse und christliche Überzeugungen in einer sehr freien Interpretation. Legendär sind ihre Unterhaltungen mit Graff, da die beiden kein gutes Haar aneinander lassen.

Das Buch empfiehlt sich jedem, der brillante Köpfe schätzt, die zehn Schritte im Voraus planen und natürlich alle, die Enders Geschichte von einer anderen Seite betrachten möchten.

– Q

Bibliografische Angaben

Ender’s Shadow von Orson Scott Card
TOR, erstmals erschienen 1999
469 Seiten
ISBN 978-0-812-57571-2
$ 8.99

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